20/02/15: Internationale Umfrage: Energiewende ist derzeit kein Exportschlager

  • Weltenergierat befragt Experten aus 35 Ländern zu ihrer Sicht auf die deutsche Energiewende
  • Drei Viertel aller Befragten sehen in der deutschen Energiewende eine Gefahr für die Stromversorgungssicherheit Europas
  • Höhere Energiepreise aufgrund von Energiewende für Industrieverbraucher nicht akzeptabel; Privathaushalte differenzierter

„Die deutsche Energiewende hat unmittelbare Auswirkungen auf den Energiesektor unserer europäischen Nachbarn und wird daher von Experten genau beobachtet“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zur Wahrnehmung der deutschen Energiewende im Ausland. „Wenn vor allem unsere Nachbarn uns dabei als möglicher Auslöser einer Stromversorgungskrise sehen, so müssen wir dies sehr ernst nehmen und uns enger mit ihnen abstimmen“, so der Präsident. Grundlage der Ergebnisse sind Antworten von Experten aus 35 Länderkomitees des Weltenergierats, darunter 20 aus Europa.

Die Welt habe einen nüchternen Blick auf die deutsche Energiewende. So schätzten internationale Experten, dass die verfolgten Ziele nur zeitlich verzögert und in Teilen realisiert werden können. „Wie es scheint, ist die Energiewende derzeit kein Exportschlager,“ mahnt Dr. Franke. „Eine solche Transformation des Energiesystems muss man sich auch leisten können – für die Industrie in vielen Ländern ist das nicht finanzierbar und erhöht den Wettbewerbsdruck. Die maximal 10% höheren Preise, die Privatverbraucher durchaus bereit zu leisten sind, reichen allein nicht zur Finanzierung aus. Eine hohe zusätzliche Belastung ist zudem für Menschen in ärmeren Ländern kaum akzeptabel.“

Die wesentlichen Ergebnisse der Umfrage sind:

  • Für drei Viertel der Experten wird die Energiewende kurzfristig zu einer Schwächung der deutschen Wirtschaftskraft beitragen, langfristig – d.h. ab 2020 – gehen die Meinungen aber auseinander und viele sehen auch eine mögliche Stärkung der deutschen Wirtschaftskraft durch Investitionen.
  • Ein Drittel ist der Meinung, dass die deutsche Energiewende als weltweite Blaupause dienen könne. Die eine Hälfte der Befragten kann sich vorstellen, Teile des Konzepts – z.B. den Ausbau von Erneuerbaren oder die Senkung des CO2-Ausstoßes – zu übernehmen, die andere Hälfte aber lehnt das gesamte Konzept der Energiewende ab.
  • Rund 60% der befragten Experten glauben, dass Industrieverbraucher in ihren Ländern höhere Preise ablehnten, auch wenn sie damit zum Klimaschutz beitragen könnten. Etwa 50% der Experten nehmen an, dass Privathaushalte leicht höhere Preise akzeptierten.
  • Rund ein Drittel hält eine vollständige, aber verzögerte Energiewende für möglich, über 50% immerhin eine verzögerte und nur in Teilen realisierte Energiewende. Fast niemand hält die Energiewende für vollständig und ohne Verzögerung erreichbar, immerhin gut 10% für überhaupt nicht erreichbar.
  • 36% glaubt, dass Deutschland sein CO2-Reduktionsziel von 40% bis 2020 erreichen kann.
  • 82% sehen in ihrem Land nicht die ökonomischen und technischen Bedingungen für die Energiewende nach deutschem Vorbild.

 

Hier finden Sie den Link zur Umfrage.