World Energy Outlook

Der World Energy Outlook (WEO) zählt weltweit zu den bedeutendsten Energiemarktanalysen und hat international einen großen Stellenwert. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Bundesverband Deutschen Industrie organisiert der Weltenergierat – Deutschland die jährliche Präsentation und Diskussion des World Energy Outlook durch die Internationale Energieagentur (IEA) in Berlin.

Am 30. November 2016 fand die Präsentation und Diskussion zum World Energy Outlook 2016 in Berlin statt. Hauptausrichter der Veranstaltung ist in diesem Jahr das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Hier finden Sie die Präsentation zum World Energy Outlook 2016. Eine offizielle Zusammenfassung des Berichtes finden Sie hier.

In seiner Begrüßung betonte StS Rainer Baake, dass er eine Elektrifizierung des Wärme- bzw. Kältesektors sowie im Transportbereich erwarte, denn im Stromsektor sei man bereits auf dem Pfad der Dekarbonisierung. Weltweit sehe er Konvergenzen für Treiber für Veränderung im Energiesektor: Klimaschutz und Kosten. Der WEO zeige auf, dass eine globale Energiewende nötig sei, um die Klimaziele zu erreichen.

Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierates, erklärte in seiner Ansprache, dass die Szenarien, egal ob von der Internationalen Energieagentur oder vom World Energy Council, die Zukunft nicht vorhersagen konnten. Sie seien dennoch unverzichtbar: 1. sie geben uns Hausaufgaben auf; 2. sie weisen uns auf Gefahren hin; und 3. weiten sie unseren Blick über den Tellerrand hinaus.

Dr. Fatih Birol betonte in seinem Vortrag die Notwendigkeit einer weltweiten Energiewende. Deutschland könne hier eine Quelle der Inspiration sein. Durch die bisher von der Staatengemeinschaft zugesagten Emissionsminderungen könne der Anstieg der globalen Emissionen zwar gebremst werden. Um jedoch das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen, seien weitergehende Zusagen notwendig. Auch die bisherigen Zusagen machten einen fundamentalen Wandel im Energiesektor nötig.

Der weltweite Primärenergieverbrauch nimmt laut IEA (NPS) von 13,7 Mrd. Tonnen Öläquivalent im Jahr 2014 auf 17,9 Mrd. Tonnen Öläquivalent im Jahr 2040 zu. Dies entspricht einem jahresdurchschnittlichen Wachstum von 1,0 %. Dieser Anstieg geht ausschließlich auf die Entwicklung in den Nicht-OECD-Staaten zurück. Der Energieeffizienz kommt eine Schlüsselrolle zu. Während die Weltwirtschaft bis 2040 um 139 % wächst, bleibt der Anstieg des Energieverbrauchs auf weniger als ein Drittel begrenzt.

Der Schwerpunkt der Energienachfrage verschiebt sich maßgeblich Richtung Asien, insbesondere nach Indien, China und in andere aufstrebende Staaten Südostasiens sowie in die Länder des Mittleren Ostens. Für Indien wird im Zeitraum 2014 bis 2040 mehr als eine Verdoppelung der Energienachfrage erwartet. In China bleibt der Anstieg im gleichen Zeitraum auf 27 % begrenzt. Zum Vergleich: von 1990 bis 2014 hatte der Primärenergieverbrauch in China um rund 250 % zugelegt. Dies bedeutet für China eine weitgehende Abkoppelung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum. Dr. Fatih Birol kündigte an, dass die IEA im kommenden Jahr den Schwerpunkt ihrer Analyse auf den Energiemarkt China legen wird.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien vervierfacht sich nahezu zwischen 2014 und 2040. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Weltstromerzeugung erhöht sich in diesem Zeitraum von knapp 23 % auf 36 %. Sie verdrängen damit die Kohle bereits ab 2030 auf den zweiten Rang. Das stärkste absolute Wachstum unter den erneuerbaren Energien wird bei Wind, Solar und Wasser erwartet – mehr als Verfünffachung der Stromerzeugung auf Basis Wind und mehr als Verzehnfachung bei Solar PV bis 2040 gegenüber 2014

Anschließend diskutierten Rainer Baake, Staatssekretär im BMWi;  Dr. Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA; Dr. Leonhard Birnbaum, Mitglied des Vorstands, E.ON SE / Vice Chair Europe, World Energy Council; und Prof. Dr. Karen Pittel, Director of the Center for Energy, Climate and Exhaustible Resources, Ifo Institute unter der Moderation von Ulrich Benterbusch, Unterabteilungsleiter im BMWi. Es wurde über die Zukunft des Energiesektors gesprochen:  Überall wird mehr Strom gebraucht, nicht weniger, insbesondere auch im Bereich Wärme und Transport. Wie viel mehr, hänge von der Energieeffizienz ab. Günstige Rohstoffpreise, wie im Moment, seien eher eine Bremse in der Elektrifizierung, so StS Rainer Baake. Um einen Wettbewerb um die besten Lösungen anzureizen, müsste es laut Dr. Leonhard Birnbaum einen europaweiten „Effizienzmarkt“ geben, gekoppelt mit einfachen Finanzierungsmechanismen und einem starken verbindlichen politischen Ziel. Prof. Pittel betonte, dass der europäische Energiemarkt bedauerlicherweise immer noch sehr stark reguliert sei und damit Potenziale zur Kostensenkung verspielt werden. Die Integration von Erneuerbaren und der Netzausbau auf Übertragungs- und Verteilnetzebene wurde als zentral bewertet, auch um steigende Redispatch-Kosten (von vier Mrd. Euro) in den kommenden Jahren zu vermeiden. Ob eine Wirtschaft vollkommen dekrabonisiert werden kann, ohne die Nutzung von CCS oder anderen negativen Emissionen, dabei waren die Diskutanten unsicher, denn es würden immer prozessbedingte Emissionen in der Industrie und Landwirtschaft geben. Doch bislang sei CC(US) noch ohne wirtschaftliche Grundlage.