24/11/14: Investitionsklima für Energiesektor weltweit überraschend positiv; in Europa deutlich negativer

  •  Weltenergierat befragt Experten aus 36 Ländern zum Investitionsklima für Energieinfrastruktur
  • Die meisten Investitionen fließen in den Stromsektor (Stromerzeugung und Übertragungsnetze), gefolgt von Investitionen in Energieeffizienz
  • Schwierige regulatorische Rahmenbedingungen werden von 90% der Befragten als Investitionsbarriere angesehen

„Angesichts der weltweit steigenden Energienachfrage ist es beruhigend zu wissen, dass das Investitionsklima für Energieinfrastruktur so positiv ist, vor allem im Stromsektor. Nun müssen die Regierungen auch die entsprechenden Weichen stellen, damit wirklich investiert wird“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zum Investitionsklima für Energieinfrastruktur. Grundlage der Ergebnisse sind Antworten von Experten aus 36 Länderkomitees des Weltenergierats, darunter 21 aus Europa.

Die wesentlichen Ergebnisse sind:

    • Das Investitionsklima für Energieinfrastruktur wird weitgehend positiv gesehen, allerdings mit Ausdifferenzierungen zwischen den verschiedenen Energieträgern: für Strom bewerten 43% der Experten das Investitionsklima positiv, für Gas immerhin 49%, für Öl und Wärme deutlich schlechter. Energieeffizienz wird von 86% mit Abstand am positivsten bewertet.
    • 60% bewerten die nationale Regulierung als wichtigsten Faktor für das Investitionsklima, noch vor dem allgemeinen Wirtschaftsklima.
    • Zwei Drittel der Befragten sehen Investitionen in die Energieinfrastruktur als eine wesentliche Notwendigkeit in den nächsten Jahren. In den Stromsektor fließen dabei nach Einschätzung der Experten die meisten Investitionen, d.h., in die Stromerzeugung (ohne Differenzierung zwischen konventioneller und erneuerbarer Erzeugung) und in Übertragungsnetze, an immerhin zweiter Stelle kommt Energieeffizienz.
    • Als wichtigster Investor wird mit 60% der Privatsektor benannt, noch vor nationalen Regierungen.
    • Im Falle eines negativen oder neutralen Investitionsklima bezeichnen fast 90% ein schwieriges regulatorisches Umfeld als Investitionsbarriere.

Interessante Hinweise auch für die deutsche Diskussion rund um die Energiewende ergeben sich aus dem Vergleich zwischen den globalen und den europäischen Ergebnissen: das europäische Investitionsklima ist deutlich negativer – für Strom sehen nur 24% und für Gas nur 33% der Experten ein positives Investitionsklima. Fast 50% der Befragten sehen darüber hinaus keine Verbesserung des Investitionsklimas im Vergleich zum letzten Jahr, dabei wird eine nahezu gleich hohe Notwendigkeit zu weiteren Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur attestiert wie in der weltweiten Befragung.

Dr. Franke fordert die deutsche und europäische Politik angesichts dieser Ergebnisse zum Handeln auf: „Die Ergebnisse der Umfrage für Europa zeigen, dass wir offensichtlich derzeit nicht die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen haben. Hier muss die Politik dringend gegensteuern, damit die notwendigen Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur nicht weiter verschleppt werden. Die Anreize müssen richtig gesetzt werden, denn ohne moderne und ausreichende Energieinfrastruktur hat Europa einen globalen Wettbewerbsnachteil“.

Hier finden Sie die detaillierten Ergebnisse der Umfrage.