22/1/14 Weltenergierat zu EU Energie- und Klimapolitik: „Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik“

Weltenergierat zu EU Energie- und Klimapolitik: „Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik“

  • Neuer Präsident: „Es geht nicht darum, das eine Ziel gegen ein anderes auszuspielen“
  • Europäischer World Energy Council nur für ein CO2-Ziel auf EU Ebene
  • Nationale Energiepolitik muss europäischer werden

Anlässlich des heute von der EU Kommission vorgelegten Pakets zur Energie- und Klimapolitik, äußert sich der Weltenergierat – Deutschland positiv zu den Bestrebungen, die Wettbewerbsfähigkeit Europas in den Mittelpunkt zu rücken. „Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik“, so der neue Präsident der Weltenergierat – Deutschland, Dr. Uwe Franke. Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Energiepreisgefälles zwischen Europa und anderen Regionen der Welt sei es relevant, den Blick auf die Kosten sowie die Effizienz von Energiepolitik zu richten. „Es geht nicht darum, das eine Ziel gegen ein anderes auszuspielen. Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit bilden zusammen den Schlüssel für gesellschaftlichen Wohlstand in Europa,“ so der Präsident. Zugleich machte er deutlich, dass das energie-politische Zieldreieck in der Vergangenheit zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit aus dem Gleichgewicht geraten war.

Um das energiepolitische Gleichgewicht wieder herzustellen, könne „nur ein marktwirtschaftlicher Ansatz, der die effizientesten und günstigsten technischen Lösungen fördert, gewinnbringend sein.“ Die Vergangenheit habe gezeigt, dass verschiedene, gleichzeitige energiepolitische Zielvorgaben kontraproduktiv und kostspielig sein können. Die Europäische Gruppe des World Energy Council plädiert daher für die Festlegung von einem einzigen CO2-Reduktionsziel auf EU-Ebene. Ferner wurde ein reformiertes Emissionshandelssystem als wichtiges Instrument anerkannt, welches unter Einbehaltung von Marktmechanismen zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes führen könne.

An die Bundesregierung appellierte Franke, in allen energiepolitischen Entscheidungen auch die europäische Sicht miteinzubeziehen. „Deutsche Energiepolitik hat massiven Einfluss auf unsere Nachbarn. Wir sind eng verbunden innerhalb des gemeinsamen Binnenmarktes für Strom und Gas und sollten die Synergien einer europäischen Kooperation stärker nutzen, um so auf effizientem Wege unser Trilemma zu lösen.“ Anfang 2013 hatte eine Umfrage innerhalb des Netzwerkes des World Energy Council gezeigt, dass insbesondere Europäische Länder skeptisch auf die Energiewende in Deutschland blicken. „Global betrachtet, kann Europa im Energiebereich Akzente setzen. Technologisch, wirtschaftlich, klima- und geopolitisch. Deutschland allein kann es nicht.“

25/10/13 „Die globalen CO2-Emissionen können bereits ab 2020 sinken“ Weltenergierat stellt Szenarien zur Energiezukunft bis 2050 in Daegu, Südkorea vor.

 

Über 6 000 Teilnehmer aus Energiewirtschaft und Politik haben vier Tage in Daegu, Südkorea, über die Frage diskutiert und nach Lösungen gesucht, wie wir heute eine zuverlässige, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung der Welt in der Zukunft sicherstellen können.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand eine aufwändig erarbeitete Studie, um einen plausiblen, nachvollziehbaren Blick in die Zukunft zu werfen. Beim Szenario „Jazz“ liegt die Priorität auf einem Ansatz mit Zugang zu Energie für diejenigen, die bisher keinen Zugang hatten und deren Bezahlbarkeit mittels wirtschaftlichem Wachstum.

Beim Szenario „Symphony“ liegt der Schwerpunkt des Ansatzes beim Erreichen von Umwelt- und Klimazielen sowie Versorgungssicherheit durch international koordinierte Politiken und Instrumente.

In beiden Szenarien, so der stellvertretende Vorsitzende der beim Weltenergierat verantwortlichen Arbeitsgruppe, Dr. Hans-Wilhelm Schiffer, steigt der Primärenergieverbrauch bis 2050 weltweit, bei der um rund zwei Milliarden Menschen ansteigenden Weltbevölkerung. Im Szenario „Jazz“ um 61 %, bei Symphony um 27%.

Fossile Energien spielen – gemessen am Primärenergieverbrauch – auch 2050 noch mit 77 % (Jazz) bzw. 59 % (Symphony) gegenüber 80 % im Jahr 2010 eine leicht geringere, aber immer noch dominierende Rolle. Einen Zuwachs bei der Kernenergie werde es nur bei staatlicher Unterstützung geben. Beim Szenario “ Symphony“  wird der Anteil der erneuerbaren Energien an der globalen Stromerzeugung von 20 %  auf 48 % steigen. Bei „Jazz“ lediglich auf 31 %. „Ganz entscheidend für den Erfolg der Bemühungen, den CO2-Ausstoß zu verringern“, so Schiffer in seiner Analyse, „ist – neben dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Steigerung der Energieeffizienz – die Abscheidung und Speicherung von CO2. So sind hierdurch und unter Einbeziehung der Kernenergie bei „Symphony“ 80 % der Stromerzeugung CO2-frei – gegenüber 40 % im Szenario „Jazz“.

„Mit einer international abgestimmten Politik und Marktinstrumenten“, fasst Schiffer die Ergebnisse der beiden Szenarien zusammen, „lassen sich die Nachhaltigkeitsziele am besten erreichen. Die CO2-Emissionen könnten bereits ab 2020 sinken“. Dazu müsste es zum Einsatz kosteneffizienter Marktinstrumente, wie Emissionshandel, basierend auf weltweiten Vereinbarungen zur Begrenzung der Höhe der CO2-Emissionen bis 2050 kommen. Eine Reduzierung der Pro-Kopf-Emission bis 2050 auf 2t CO2 pro Jahr wäre damit im globalen Durchschnitt möglich, was weniger als der Hälfte der Pro-Kopf-Emissionen im Jahr 2010 entspräche.

20. März 2013 Weltenergierat: „Man muss sich eine Energiewende auch leisten können“

  • Weltenergierat-Deutschland befragt erneut Energieexperten aus 23 Ländern
  • Deutsche Energiewende weiterhin keine Blaupause für die Welt, aber wichtiger Ideengeber
  • Mehrheit in Europa befürchtet geringere Versorgungssicherheit und höhere Strompreise im eigenen Land durch die deutsche Energiewende
  • 60 Prozent wollen Teile des deutschen Energiekonzepts übernehmen

„Auch mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Energiekonzepts der Bundesregierung, stehen internationale Experten aus dem Energiebereich der deutschen Energiewende eher skeptisch gegenüber“, so Jürgen Stotz, Präsident des Weltenergierat – Deutschland zu den Ergebnissen einer Umfrage seiner Organisation. Wie bereits 2011 hatte diese weltweit vernetzte Organisation internationale Energieexperten aus über 20 Länderkomitees zum Gelingen der Energiewende, zu ihren Auswirkungen und ihrer Vorbildfunktion befragt.

„Die Welt schaut auch mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Energiekonzeptes sehr genau auf die deutsche Energiepolitik. Nur mit einer weiterhin sicheren und vor allem  wirtschaftlichen Energieversorgung können wir als Vorbild für die Welt dienen. Insbesondere die Ängste der europäischen Nachbarn gilt es dabei sehr ernst zu nehmen“, so Stotz weiter.

So glauben 80 Prozent der Befragten, dass die deutsche Energiewende zu einer Strompreissteigerung im eigenen Land führen. Die befragten europäischen Länder gehen sogar zu 90 Prozent von einer Preissteigerung im eigenen Land aus und befürchten zu fast 60 Prozent negative Auswirkungen auf die eigene Versorgungssicherheit. „Unter anderem deshalb“, erklärt Stotz, „bleiben wir bei der Forderung nach einer engeren europäischen Abstimmung der deutschen Energiepolitik.“

Die Übernahme einzelner Bestandteile des Energiekonzepts können sich immerhin rund 56 Prozent der an der Umfrage beteiligten Länder vorstellen, am ehesten die CO2-Ziele und den Schwenk zu mehr regenerativen Energien. Gegenüber 2011 ist allerdings der Anteil derjenigen um rund 20 Prozent auf insgesamt 44 Prozent gestiegen, die sich nicht vorstellen können, auch nur eines der deutschen Ziele zu übernehmen. „Kein Wunder“, so Stotz, „denn 76 Prozent der Befragten erklären, in Ihrem Land seien weder die technischen noch die wirtschaftlichen Voraussetzungen hierfür gegeben.“ In Europa sehen mehr als zwei Drittel der Befragten die notwendigen Voraussetzungen im eigenen Land als nicht gegeben an. Die aktuellen Zahlen zur Höhe der bisherigen und der zu erwartenden finanziellen Förderung regenerativer Energien hätten sicher einen zentralen Beitrag zu dieser Einschätzung geleistet.

„Ganz offensichtlich“, so der Präsident des Weltenergierat – Deutschland, „muss man sich eine solche Energiewende auch leisten können.“ Umso wichtiger sei es, bei allen Veränderungen im Energiebereich auch den Erhalt der deutschen Wirtschaftskraft im Auge zu behalten. Hier seien die ausländischen Experten durchaus skeptisch. Eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent befürchtet eine kurz- und mittelfristige Schwächung der deutschen Wirtschaftskraft aufgrund der aktuellen Energiepolitik. In der langfristigen Perspektive sind dies immer noch 52 Prozent. Lediglich ein gutes Drittel geht langfristig von einer Stärkung durch die Energiewende aus.

In diesem Zusammenhang halten auch rund zwei Drittel der Befragten die Entlastung der deutschen energieintensiven und exportorientierten Industrie für richtig und würden dieses Vorgehen auch im eigenen Land bei steigenden Strompreisen befürworten.

Aufgrund der Ergebnisse dieser Umfrage bleibt nach Einschätzung von Stotz für die Bundesregierung noch viel zu tun. Solle die Energiewende ein Exportschlager werden und damit zu wichtigen Veränderungen weltweit führen, „müssen wir nicht nur erfolgreich sein, sondern auch noch sehr viel Überzeugungsarbeit in den anderen Ländern leisten. Wir müssen die möglichen Auswirkungen auf unsere Nachbarn deshalb genau im Blick behalten und uns europäisch abstimmen.“ Immerhin seien es 76 Prozent der Befragten, die in der deutschen Energiepolitik keine Blaupause für ihr eigenes Land sehen.

10. Januar 2013 Leonhard Birnbaum neuer Europavorsitzender des Weltenergierats „Zukunft der Energieversorgung europäisch denken und gestalten“

 

Dr. Leonhard Birnbaum, Mitglied des Vorstands der RWE AG, ist von der Mitgliederversammlung des World Energy Council (WEC) zum Vorsitzenden der Region Europa (Vice-Chair Europe) gewählt worden. Er hat in dieser Funktion die Nachfolge von Dr. Johannes Teyssen, E.ON, angetreten, der den Vorsitz der europäischen Sektion des WEC nach Ablauf der maximal möglichen zwei Amtszeiten abgegeben hat. Leonhard Birnbaum verstärkt damit sein Engagement, das er im Weltenergierat – Deutschland als Stellvertreter des Präsidenten dieses nationalen WEC-Komitees bereits seit einigen Jahren ausübt.

„Wir müssen die Zukunft der Energieversorgung europäisch denken und gestalten“, so Birnbaum. „In meiner neuen Funktion habe ich die Möglichkeit, das zu tun und die wichtigen Energiethemen mit Repräsentanten unserer Nachbarstaaten im europäischen Kontext zu diskutieren.“ „Europa ist die Zukunft“, betont Birnbaum weiter, „wir können die Energieversorgung nur dann effizient umbauen und modernisieren, wenn Marktmechanismen und europäische Lösungen absoluten Vorrang haben.“Der World Energy Council greift in seinen Studien und auf seinen Konferenzen globale Energiethemen auf und bindet dabei die Besonderheiten der verschiedenen in der Organisation verankerten Weltregionen mit ein. Ein aktuelles Beispiel ist das Flaggschiff-Projekt „Global Energy Scenarios“. Im Rahmen dieser Studie, deren Präsentation bei der nächsten Weltenergiekonferenz im Oktober 2013 in Daegu (Südkorea) geplant ist, werden die Perspektiven der Weltenergieversorgung bis 2050 aufgezeigt. Dabei werden die Besonderheiten der verschiedenen Kontinente und damit auch Europas berücksichtigt.