19/12/2019: Deutsche Energiewende: Keine Blaupause für Europa, aber Inspiration für die Welt

• Klimaschutz in Europa an erster Stelle, im Rest der Welt Wirtschaftswachstum
• Europa bewertet die deutsche Energiewende skeptischer als der Rest der Welt
• Weltenergierat veröffentlicht Umfrage unter Experten aus über 60 Ländern

Die deutsche Energiepolitik wird weltweit wahrgenommen und hat Einfluss. So gaben 77 % der weltweit befragten Energieexperten an, dass die Energiewende in Deutschland beobachtet wird, zu Diskussionen oder sogar konkreten Maßnahmen in ihren Ländern geführt hat. Eine Bewertung der deutschen Energiepolitik fällt dabei unterschiedlich aus. 11 % der europäischen Experten bewerten die deutsche Energiepolitik als Blaupause für die Welt, im Vergleich zu 43 % der Experten aus dem nicht-EU Ausland. „Nur wenn wir die spezifischen Prioritäten und Voraussetzungen in den einzelnen Staaten kennen und adressieren, kann die deutsche Energiewende mehr Nachahmer finden und so einen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung leisten,“ so Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse der weltweiten Umfrage „Deutsche Energiepolitik – eine Blaupause für die Welt?“. 119 Energieexperten aus über 60 Ländern teilten darin ihre Perspektive auf die deutsche Energiepolitik sowie auf die Energiesituation in ihren eigenen Ländern mit.

Die Prioritäten von Energiepolitik unterscheiden sich zwischen Europa und dem Rest der Welt deutlich. Während für europäische Experten der Klimaschutz die wichtigste Motivation für einen Energiewende im eigenen Land darstellt (58 %), steht außerhalb Europas das Wirtschaftswachstum an erster Stelle mit 26 % vor Versorgungssicherheit (23 %) und Zugang zu Energie (17 %). Wie sich die Energiewende in Deutschland auf die Wirtschaftskraft auswirkt, ist umstritten: Laut Umfrage erwarten 67 % der europäischen Experten eine Abschwächung der Wirtschaftskraft Deutschlands aufgrund der Energiepolitik bis 2030. Demgegenüber steht eine Mehrheit von Experten aus dem außereuropäischen Ausland, die mittelfristig bis 2030 (57 %) bzw. langfristig bis 2050 (84 %) eine Stärkung der Wirtschaftskraft erwarten. „Die Ergebnisse zeigen, dass noch offen ist, wie sich die Energiepolitik auf die Wirtschaftskraft Deutschlands auswirkt. Erst wenn die Energiewende einen positiven wirtschaftlichen Effekt hat, werden insbesondere auch Länder außerhalb Europas sich stärker ein Beispiel nehmen, “ so Carsten Rolle.

Auch die Bereitschaft, für Klimaschutz höhere Energiepreise zu akzeptieren, wird in Europa zumindest für Haushalte höher eingeschätzt. Die Hälfte der europäischen Experten glauben, dass die Bevölkerung bis zu 20 % höhere Energiepreise für mehr Klimaschutz akzeptieren würde. Im Rest der Welt ist man skeptischer: Die Mehrheit glaubt nicht, dass eine Bereitschaft für höhere Energiepreise für Klimaschutz für Haushalte (66 %) und Industrie (57 %) vorhanden ist. Zugleich sehen über 80 % aller Befragten eine CO2-Bepreisung als wichtige Maßnahme für den Klimaschutz. Für Carsten Rolle wird hier ein Widerspruch sichtbar: „Einerseits gilt eine CO2-Bepreisung als effektiv in der Bekämpfung des Klimawandels. Andererseits existiert kaum eine Bereitschaft, einen Preisaufschlag zu bezahlen, um die notwendigen Investitionen zu realisieren.“ Dieser Widerspruch müsse offen diskutiert und politisch aufgelöst werden.

Hier finden Sie die gesamten Ergebnisse der Umfrage: https://www.weltenergierat.de/publikationen/blueprint-umfrage/

 

03/12/2019: Zur COP in Madrid

 

58 % der Energieexperten weltweit für einen Marktmechanismus im Klimaschutz

Berlin. Rund 60% der Energieexperten weltweit sprechen sich für einen internationalen Marktmechanismus im Klimaschutz aus, der in diesen Tagen im Rahmen der Klimakonferenz in Madrid verhandelt wird. So lautet ein Ergebnis der globalen Umfrage des Weltenergierat – Deutschland unter Energieexperten aus über 60 Ländern.

Die Errichtung eines grenzüberschreitenden CO2-Marktes, welcher in Artikel 6 des Klimaabkommens von Paris aufgenommen wurde, ist eine der Prioritäten in Madrid. In Artikel 6 wurde ein Prinzip festgeschrieben, wie Länder Klimaschutzmaßnahmen im Ausland auf ihre eignen CO2-Reduktionsziele anrechnen können.

58 % der Befragten befürworteten den in Artikel 6 erwähnten Marktmechanismus, während nur 8 % dagegen stimmten. Ein Drittel der Experten ist in dieser Frage unentschlossen.

„Die Umsetzung von Artikel 6 ist sicher eines der zentralen Themen der COP 25“, so Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland. „Die Entwicklung eines verlässlichen und handhabbaren Marktmechanismus würde zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit im Klimaschutz beitragen. Zugleich kann er als echter Treiber für effizienten Klimaschutz wirken.“

72% der Befragten gaben an, dass das Paris Abkommen zu ambitionierter Klimapolitik in ihrer Heimat geführt habe.

Die Ergebnisse stellen einen Auszug aus der umfassenden globalen Umfrage des Weltenergierat – Deutschland dar, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. Im Mittelpunkt stehen die Wahrnehmung und der Einfluss der deutschen Energiewende in der Welt. 119 Energieexperten aus über 60 Ländern wurden hierfür befragt. Die gesamten Ergebnisse der Umfrage werden am 19. Dezember veröffentlicht.


58% of Global Energy Experts Support Climate Market Mechanisms at COP 25

Berlin – Nearly 60% of global energy experts surveyed by the World Energy Council (WEC)-Germany say they would support market mechanisms at this month’s United Nations Climate Change Conference (COP 25) in Madrid.

Establishing rules for carbon markets, which fall under Article 6 of the Paris Climate Accords, is a priority for policymakers at COP 25. Article 6 focuses on how countries can use international carbon markets to meet domestic emissions reduction targets.

Fifty-eight percent of respondents said they would support Article 6 mechanisms, while only 8% said they would not. About a third remain unsure.

“Article 6 is one of the most important issues being discussed at COP 25,” said Carsten Rolle, Managing Director of WEC-Germany. “Developing robust and practical market mechanisms would strengthen the cooperation between countries around the world and could serve as a key driver of efficient climate protection.”

Seventy-two percent of respondents also said the Paris Climate Accord has led to more ambitious climate protection targets in their countries.

The findings provide a snapshot of WEC-Germany’s biennial global Blueprint survey, which focuses on the international perception and impact of Germany’s energy transition policies. WEC-Germany surveyed 119 energy experts from over 60 countries. The full results will be released on December 19.

 

09/09/2019: 24. World Energy Congress: Neue Realitäten, auf die die Energiewelt vorbereitet sein sollte

• Dezentrale, erneuerbare Energieversorgung und langfristiger Einsatz von fossilen Energieträgern
• Keine Blaupause für eine Energiewende – alle Technologien und Energieträger nötig
• 2°Grad-Ziel wird voraussichtlich nicht erreicht
• Power-to-X als notwendiges Element für ambitionierten Klimaschutz

Anlässlich des 24. Weltenergiekongresses in Abu Dhabi veröffentlicht der World Energy Council seine Analysen zur globalen Energieversorgung. Hieraus wird deutlich: Die Dezentralisierung des Energiesystems einerseits sowie die noch langfristige Nutzung fossiler Energiequellen andererseits werden unsere Realität in den nächsten Dekaden prägen. „Auch wenn wir dies in Deutschland zunächst angenommen haben: Es existiert keine Blaupause für eine Energiewende – jede Technologie und jeder Energieträger wird benötigt, um den Menschen Zugang zu einer bezahlbaren, sicheren und nachhaltigen Energieversorgung zu ermöglichen und damit den Grundstein für ein Leben in Wohlstand zu legen,“ kommentiert Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland. 2030 könnten laut World Energy Council alle Menschen weltweit Zugang zu moderner Energieversorgung haben – noch sind knapp eine Milliarde Menschen hiervon ausgeschlossen.

Das 2°-Grad Ziel der weltweiten Klima-Erwärmung wird in keinem der drei Szenarien des World Energy Council bis 2040 erreicht. Auf eine Zielerreichung wirken sich internationale Zusammenarbeit auf politischer Ebene und eine CO2-Bepreisung aus. „Power-to-X ist ein notwendiges Element für ambitionierten Klimaschutz, vor allem in Bereichen, die kaum zu elektrifizieren sind“, so Franke. Hiermit sind insbesondere der Transport- und Wärmesektor gemeint. „Langfristig sind wir in Deutschland und Europa auf Importe von wasserstoffbasierten Energieträgern aus erneuerbarer Stromerzeugung angewiesen. Hierfür könnten auch die Vereinigten Emirate und die Golfregion wichtige Handelspartner werden.“

Seit 1924 veranstaltet der World Energy Council den World Energy Congress, der nun zum 24. Mal stattfindet und – mit Abu Dhabi als Austragungsort – zum ersten Mal im Mittleren Osten. Rund 5.000 Delegierte aus der gesamten Energiebranche, hiervon über 70 Minister und Staatsoberhäupter, kommen für vier Tage zusammen um die dringendsten Fragen der Energiewelt zu diskutieren. Aus Deutschland reist eine Delegation aus hochkarätigen Sprechern, Delegierten, Medienvertretern und Future Energy Leaders an. Innovationen stehen im Mittelpunkt: In Kooperation mit der Deutschen Energieagentur wurden die weltweit vielversprechendsten Start-Ups im Energiesektor eingeladen, sich bei dieser Gelegenheit zu präsentieren.

 

13/06/2019: Energie für Deutschland 2019

Energiewende auf Arabisch: Energiereiche Golfregion im Umbruch

  • Investitionen in der Golfregion: Erneuerbare haben fossilen Energieträger seit 2015 überholt
  • Trotz angestrebter Energiewende in der Region bleibt über 90 % der Energieversorgung fossil
  • Der Ausbau erneuerbarer Energien muss Hand in Hand mit Investitionen in Speicher und Power-to-X gehen

Die Energielandschaft in der Golfregion sieht sich zunehmend einem Wandel ausgesetzt. Derzeit produzieren die Golfstaaten 33 % der weltweit täglich benötigten Erdölmenge. Doch das Wachstum der globalen Nachfrage nach fossilen Energieträgern schwächt sich stark ab, neue, nachhaltige Technologien werden etabliert. So versucht auch diese Region, ihre „Energiewende“ umzusetzen.

Bis 2025 sollen 5–25 % des zusätzlichen Energiebedarfs durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Wind und solarthermische Kraftwerke abgedeckt werden. Beim Zubau neuer Kraftwerkskapazitäten haben die Investitionen in erneuerbare Energien die in fossile Energien seit 2015 überholt. Trotzdem: Die Erneuerung des Energiesystems ist eine Herausforderung. Mehr als 98 % des Primärenergiebedarfes der Golfstaaten werden heute noch durch fossile Brennstoffe gedeckt. Auch zur Stromerzeugung werden primär Erdgas und Erdöl genutzt. Wenn die ambitionierten Ausbauziele für Erneuerbare 2025 erreicht werden, würden sie nur bis zu 7 % des gesamten Strombedarfs decken.

„Die Region birgt viel Potenzial für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Um dieses Potenzial nutzbar zu machen muss der Ausbau aber Hand in Hand gehen mit Investitionen in Speichertechnologien,“ so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland. Insbesondere „Power-to-X“ Anwendungen sollten ins strategische Zentrum rücken, so Franke weiter. Hierbei werden wasserstoffbasierte Energieträger aus erneuerbarer Stromerzeugung umgewandelt und transportierbar und damit auch exportierbar gemacht.

Die Analyse erschien in der neu veröffentlichten Publikation des Weltenergierat – Deutschland „Energie für Deutschland 2019“. Die Autoren der Analyse sind Dr. Kirsten Westphal (Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP), Dr. David Ramin Jalilvand (Orient Matters GmbH) sowie Markus Groissböck (Siemens AG). Die gesamte Publikation steht zum Download zur Verfügung.

 

 

06/03/2019: World Energy Issues Monitor 2019

 

Energiewende, Europa und E-Fuels – Energiethemen 2019

  • „Managing the Energy Transition“ ist das Kernthema des World Energy Issues Monitor 2019, in dem 2.300 Entscheider aus über 90 Ländern die nationalen, regionalen und globalen Landkarten der relevanten Energiethemen zeichnen
  • In Deutschland dominiert thematisch die praktische Umsetzung der Energiewende auf nationaler und europäischer Ebene
  • Das deutsche Trendthema E-Fuels braucht stärkere, internationale Bedeutung

 

Die aktuelle Themenlandkarte zu Energiefragen in Deutschland 2019 konzentriert sich auf die politischen Rahmenbedingungen: Zusammenhalt der EU, das Design der europäischen Energiemärkte sowie die Energiewende mit ihren Komponenten Erneuerbare Energien, E-Storage, innovativer Verkehr und Energieeffizienz. Im Bereich der Digitalisierung konnte zunehmend mehr Expertise aufgebaut werden und Führungskräfte setzen ihre Strategien verstärkt um. Ganz anders im energiepolitischen Bereich: Unterschiedliche Prioritäten in Europa konterkarieren teils vollständig die Energiewendestrategien der Nachbarländer. Während Deutschland den Kohleausstieg fahrplanmäßig koordiniert, laufen im Nachbarstaat Polen die Vorbereitungen für den Neuaufschluss eines Braunkohletagebaus nahe der deutschen Grenze.

Die Energie- und Klimapolitik hat sich in Deutschland zu einem vollumfänglichen sozioökonomischen Thema entwickelt. Dabei werden nicht nur die Auswirkungen der nationalen Klimapolitik (u.a. im Rahmen der Empfehlungen der Kohlekommission) diskutiert, sondern auch und vor allem der zukünftige europäische Zusammenhalt, insbesondere im Hinblick auf den Brexit und seine Folgen. Diese Themen sind im globalen Vergleich weniger stark ausgeprägt. Weltweit dominieren energiepolitisch eher Themen wie das generelle Wirtschaftswachstum und die Rohstoffpreise, sowie Chinas Wachstum.

Positiv entwickelten sich die Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, die im letzten Jahr noch Grund für eine starke Unsicherheit der Entscheider waren. In diesem Jahr sind sie konkrete Handlungsprioritäten. Das ist ein klares Signal, dass der Energiesektor mehr Erfahrung bei der Nutzung von digitalen Technologien gewonnen hat und die Implementierung nun voranschreitet. Auch das Internet of Things und Blockchain haben eine geringere Unsicherheit im Vergleich zum letzten Jahr, auch wenn sich nachhaltige Geschäftsmodelle in der Breite noch nicht etabliert haben.

Wie viele Studien im vergangenen Jahr gezeigt haben, benötigt die Energiewende den Einsatz von synthetisch erzeugten, sogenannten „grünen“ Brenn- und Kraftstoffen. „Für ehrgeizige Klima- und Energieziele brauchen wir Power-to-X in erheblichem Umfang,“ sagt Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierates Deutschland. Die Bemühungen, Power-to-X und die damit hergestellten E-Fuels als dritte Säule der Energiewende zu etablieren, zeigen sich in Deutschland in einer im globalen Vergleich deutlich höheren Wichtigkeit der Wasserstoffwirtschaft. Nur Neuseeland und Island weisen eine ähnliche Priorisierung der Wasserstoffwirtschaft auf. „Es geht jetzt darum, einen globalen Markt für Power-to-X zu schaffen,“ fordert Rolle.

Der komplette World Energy Issues Monitor 2019, inkl. interaktivem Online Tool und detailliertem Bericht ist hier abrufbar.

Ansprechpartner

Robin Höher
Senior Manager
T: (+49) 30 2028 1626
E: hoeher@weltenergierat.de

18/10/2018: International Aspects of a Power-to-X Roadmap

 

Klimaschutz strategischer und internationaler entwickeln – Weltenergierat stellt Roadmap für grüne synthetische Kraftstoffe vor

  • Ehrgeizige Klimaziele sind ohne Power-to-X Kraftstoffe nicht denkbar – besonders im Verkehrssektor
  • Weltenergierat fordert mit Studie „Internationale Aspekte einer Power-to-X Roadmap“ den langfristigen Aufbau eines globalen PtX-Marktes ein
  • PtX ist industrie- und klimapolitisch eine große Chance für internationale Zusammenarbeit – die muss aber strategischer aus Deutschland heraus entwickelt werden

„Ambitionierte Klimaziele sind nur erreichbar, wenn erneuerbare Energien nicht allein direkt als Strom genutzt werden, sondern auch als Gas oder flüssiger Brennstoff speicherbar sind. Deshalb müssen wir uns viel systematischer mit der Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen beschäftigen“, erklärt Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat-Deutschland, anlässlich der Vorstellung der Studie „Internationale Aspekte einer Power-to-X Roadmap“. „Sie werden die zweite Säule der Nutzung erneuerbarer Energien.“

Die Energiewende in Deutschland wird langfristig erhebliche Importe synthetischer Kraftstoffe aus dem Ausland erfordern, die aus erneuerbaren Energien erzeugt werden – sogenannten Power-to-X Produkten (PtX). Diese lassen sich in vielen Regionen der Welt aufgrund der besseren Standortbedingungen für erneuerbare Energien deutlich günstiger produzieren als hierzulande und anschließend exportieren. „Um internationale Zusammenarbeit anzustoßen, müssen wir aber mit diesen Ländern sprechen. Bislang sind unsere Erwartungen an die Rolle von PtX im Ausland zu wenig bekannt“, so Rolle weiter.

„Power-to-X wird nicht plötzlich da sein, seine Entwicklung braucht eine langfristige politische Strategie und eine schrittweise Skalierung. Dazu sollen die vom Weltenergierat entwickelten Elemente einer Power-to X Roadmap beitragen“ erklärt Carsten Rolle.

Die Entwicklung eines globalen Marktes für Power-to-X aus Deutschland heraus ist eine industriepolitische Chance und klimapolitisch ein Schlüsselfaktor für ein CO2-freies Energiesystem. Der Bedarf an synthetischen Kraftstoffen kann langfristig sehr groß werden. Die hierfür benötigten Kapazitäten für Wasserstoffelektrolyseanlagen etwa können bis zu 3.000 bzw. 6.000 GW weltweit betragen. Bisher sind Elektrolyseanlagen mit einer Kapazität von lediglich rund 20 GW installiert.

Vielversprechende Partnerländer hat der Weltenergierat auf allen Kontinenten identifiziert. „Vorreiter wie Norwegen haben die technologische Umsetzung frühzeitig vollzogen und bereits erste Handelsbeziehungen aufgebaut“, nennt Rolle als Beispiel. „Mittelfristig stehen sogenannte ´Hidden Champions` wie Chile bereit, die über passende wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen verfügen, um PtX-Projekte schnell zu entwickeln. Auch Länder wie Australien, Marokko und Saudi-Arabien verfügen über ausreichend Ressourcen, um zur Diversifizierung des Marktes beitragen.“

Voraussetzung für einen internationalen PtX-Markt ist die Weiterentwicklung der Technologie und eine schrittweise Skalierung, wodurch sich eine erhebliche Kostenreduktion realisieren ließe. Dies schließt auch größere Demonstrationsvorhaben und Erprobungen in Reallaboren und Modellregionen mit ein. Darüber hinaus ist die Schaffung von gleichen Wettbewerbsbedingungen für synthetische Kraftstoffe gegenüber konventionellen Brennstoffen aus Öl und Gas erforderlich.

Carsten Rolle weist auf den besonderen Wert der Zusammenarbeit hin: „Ohne eine stärkere internationale Kooperation wird eine Skalierung von PtX Technologien nicht gelingen. Umso wichtiger ist es daher, solche politischen Dialoge mit Partnerländern strategisch zu planen.“

PtX-Produkte sind eine CO2-freie Alternative zu den derzeitigen Energiequellen wie Öl und Gas und können in verschiedenen Sektoren wie Verkehr, Wärme, Industrie und der Stromerzeugung eingesetzt werden. Besonders beim Schwerlasttransport über lange Strecken, bei der Schifffahrt und bei der Luftfahrt gibt es bislang kaum CO2-freie Alternativen. PtX-Produkte spielen hier ihre Vorteile bei der Transportierbarkeit und der Energiedichte gegenüber Batterielösungen aus.

Die Studie, die Frontier Economics im Auftrag des Weltenergierat – Deutschland erstellt hat, ist hier online abrufbar.

Ansprechpartnerin

Christoph Menzel
Büroleiter
T: (+49) 30 2028 1462
E: menzel@weltenergierat.de

11/06/2018: World Energy Issues Monitor 2018


Siegeszug der digitalen Energiewelt unaufhaltsam

  • Weltenergierat veröffentlicht „World Energy Issues Monitor 2018″ – 1.200 Entscheider aus über 90 Ländern zeichnen Landkarte der relevanten Energiethemen
  • Top-Prioritäten: Digitalisierung, Blockchain und Künstliche Intelligenz
  • Sorgenkinder: Unsichere Rohstoffpreise, geringes Wirtschaftswachstum sowie geopolitische Beziehungen zwischen EU, Russland und USA

Die aktuelle Themenlandkarte zu Energiefragen in Deutschland und weltweit zeigt einen Energiesektor, der sich mit den Risiken und Chancen der Digitalisierung, Dekarbonisierung und Dezentralisierung, den „3Ds“, auseinandersetzt. Dies ist das Ergebnis des „World Energy Issues Monitor 2018“, einer Befragung, die der World Energy Council bereits zum neunten Mal unter 1.200 Entscheidern der Energiewirtschaft in über 90 Ländern durchgeführt hat.

In den letzten Jahren wurde die Digitalisierung als eine der globalen Handlungsprioritäten mit hoher Wirkung und großer Unsicherheit identifiziert. Lediglich in China, Japan und Italien, wo das Thema einen Spitzenplatz auf der Agenda belegt, nehmen die Befragten das Maß der Unsicherheit als nur gering wahr.

Zum ersten Mal zeigt die Themenlandkarte das Entstehen eines Innovationsclusters, bestehend aus dem Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz, der Blockchain-Technologie sowie Austausch- und Verkaufsplattformen. Dies erlaubt ein besseres Verständnis der Treiber der Digitalisierung und ihrer Auswirkungen auf den Energiemarkt. „Die technologische Revolution der Energiewende ist wohl noch stärker als die politische“, lautet das Fazit von Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierats in Berlin. „Unternehmen können diesen Wandel von Geschäftsmodellen gestalten – oder sie werden gestaltet.“

Global gesehen haben sich die Handlungsprioritäten über die Jahre immer weiter angenähert, denn das Einhalten der Klimaschutzziele und der Umbau der Energiesysteme stellen viele Länder vor ähnliche Herausforderungen. „Wir sehen einen wichtigen Wandel bei den politischen und strategischen Prioritäten“, so Carsten Rolle. „Smarte dezentrale Energiesysteme haben Themen zu zentralen Großtechnologien für Energieversorger weiter verdrängt.“

Sorgenkinder sind für die Befragten aktuell unsichere Rohstoffpreise sowie geringes Wirtschaftswachstum. Der Entwicklung des Energiesektors hin zu einem stärker diversifizierten globalen Energiemix mit hoher Internationalisierung der Märkte stehen die geopolitischen Beziehungen zwischen der EU, Russland und den USA gegenüber.

„Globaler Klimaschutz ist nur mit mehr Handel, mehr internationaler Kooperation und gemeinsamen Forschungsanstrengungen erreichbar – ob bei erneuerbaren Energien oder bei Power-to-X-Technologien“, so Rolles Schlussfolgerung. Fragile geopolitische Beziehungen und protektionistische Entwicklungen sind daher ernste Unsicherheitsfaktoren für eine globale Energiewende.

Der komplette World Energy Issues Monitor 2018 ist hier abrufbar.

Ansprechpartnerin

Christiane Nowotzki
Senior Manager
T: (+49) 30 2028 1626
E: nowotzki@weltenergierat.de