23/01/2017: Energiewende ist Inspiration, aber keine Blaupause für die Welt

  •  „Blueprint“-Umfrage des Weltenergierat – Deutschland unter Experten in 42 Ländern
  •  Mehrheit sieht deutsche Energiewende nicht als weltweite Blaupause; insgesamt blickt die Welt aber optimistischer auf die Energiewende als noch 2015
  •  Außerhalb Europas treiben Wachstum, Energiezugang und Versorgungssicherheit die jeweiligen Energiewenden mehr als das Thema Klimaschutz

International wird die deutsche Energiewende von einer großen Mehrheit der Befragten (58 %) aufmerksam verfolgt. Energiepolitische Diskussionen oder Entscheidungen hat sie demnach aber stärker (25 %) in Europa provoziert, wohingegen außerhalb Europas der Einfluss nur schwach ist. Dies ist eines der Ergebnisse einer Befragung des Weltenergierat – Deutschland unter Energieexperten in 42 Ländern weltweit, die der Verein nach 2011, 2013 und 2015 nun bereits das vierte Mal durchgeführt hat.

Gegenüber der letzten Befragung in 2015 hat sich die Wahrnehmung der deutschen Energiewende zwar verbessert; dennoch denkt die Mehrheit (60 %) der Befragten weiter nicht, sie könne als weltweite Blaupause dienen. Vier von fünf der Befragten geben an, dass zumindest Teile des Konzepts in ihrem Land adaptiert werden könnten, in 2015 waren es nur etwas mehr als die Hälfte. „Die deutsche Energiewende stimuliert zusehends die internationalen energiepolitischen Diskussionen. Zugleich zeigt die Umfrage klar, dass das Konzept insgesamt als Blaupause nicht bzw. nur in Teilen für übertragbar gehalten wird. „Es muss noch gelingen, die Aufmerksamkeit auch in Überzeugung zu wandeln“ fasst Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland, die Ergebnisse zusammen.

„Außerhalb Europas schlägt der Hunger nach sicherer Energie und Wirtschaftswachstum den Klimaschutz als Treiber der jeweiligen Energiewenden. Um die Energiewende und neue Technologien wirklich exportieren zu können, müssen wir die Länder daher viel stärker bei der Bewältigung ihrer jeweiligen Herausforderungen unterstützen“, so Carsten Rolle weiter. Während 45 % der Europäer Klimaschutz als wichtigste Motivation für ihre Energiewende angaben, waren dies außerhalb Europas nur 5 %, wo stärker Wachstum (36 %) und Zugang zu Energie (27%) die bestimmenden Themen sind.

Was die effektivsten Instrumente für den Klimaschutz angeht, gaben 92 % der Befragten Energieeffizienzmaßnahmen als besten Weg an. Gefolgt wurden diese von Maßnahmen zur Bepreisung von CO2 – letztere vor allem dann, wenn die G20 Staaten geschlossen vorangehen (48 %). Carsten Rolle: „Efficiency first wird weltweit als bester Weg für Klimaschutz angesehen. Diese zweite Säule der deutschen Energiewende ist international längst die erste.“ Deutlich abgeschlagen waren Fördermaßnahmen für einzelne Technologien.

Die vollständigen Ergebnisse der Befragung finden Sie unter https://www.weltenergierat.de/publikationen/studien/.

31/03/2016: Weltenergierat veröffentlicht World Energy Issues Monitor 2016

  • Russland, die Situation der EU und Rohstoffpreise größte Herausforderungen für deutsche Energiewirtschaft 
  • Verunsicherung auch wegen möglicher Cyberattacken

Der Weltenergierat hat den World Energy Issues Monitor 2016 veröffentlicht. Für den Bericht wurden mehr als 1.200 CEOs, Minister und Experten aus über 90 Ländern befragt. Mit Blick auf Deutschland werden Russland, die Situation innerhalb der EU und die volatilen Rohstoffpreise als größte Unsicherheitsfaktoren für die deutsche Energiewirtschaft genannt. Große Verunsicherung herrscht auch wegen möglicher Cyberattacken.

Aus geopolitischer Perspektive sehen die deutschen Energieexperten, wie bereits 2015, Russland als größte Quelle für mögliche Unsicherheiten. In diesem Zusammenhang werden unter anderem der Konflikt mit der Ukraine und die EU-Sanktionen gegen Russland angeführt. Als weitere Ursachen für Unsicherheiten werden unter anderem die angespannte Situation innerhalb der EU, die weiterhin volatilen Rohstoffpreise und die laufenden Klimaverhandlungen genannt.

Dem Thema Stromspeicher wird, wie im Vorjahr, gleichzeitig eine große Bedeutung und ein hohes Maß an Unsicherheit beigemessen. Ein technischer und wirtschaftlicher Durchbruch in der Stromspeicherentwicklung könnte die deutsche Energiewende maßgeblich beeinflussen.

Das Tagesgeschäft der deutschen Energieentscheider wird nach Auskunft der Experten besonders von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Strompreisen und Subventionen bestimmt. Die Bereiche sind alle eng miteinander und mit der Energiewende verbunden.

Cyber threats – eine wachsende Bedrohung?

Eine Überraschung ist die Bewertung von „Cyber threats“. Die gezielten Angriffe auf Computernetzwerke, die für eine Organisation oder Infrastruktur wichtig sind, erhalten das zweithöchste Unsicherheits-Rating, nur noch übertroffen durch die Einschätzung des Themas Russland. Als Hintergründe werden dazu unter anderem die Debatte über EU-weite Regelungen für Cybersecurity und der geplante Rollout für Smart Meter ab 2017 angeführt.

„Industrie 4.0 und Big Data sind mehr als nur reine Schlagworte. Die Energiewirtschaft in Deutschland verändert sich und muss sich mit neuen, digitalen Herausforderungen auseinandersetzen. Es gibt Organisationen und Unternehmen, die schon jetzt gut gegen Cyberattacken gerüstet sind, bei anderen besteht noch dringender Handlungsbedarf“, betont Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland.

Globale Perspektive

Als die drei Top-Themen auf globaler Ebene werden die volatilen Rohstoffpreise, die Auswirkungen der Konjunkturflaute und Unsicherheiten hinsichtlich der klimapolitischen Rahmenbedingungen identifiziert. Cyberangriffe sorgen auch auf globaler Ebene für Unsicherheit, die größte Aufmerksamkeit erfährt das Thema in Europa und Nordamerika.

Für den World Energy Issues Monitor befragt der Weltenergierat jedes Jahr mehr als 1.200 CEOs, Minister und Experten aus über 90 Ländern zu Trends im Energiesektor. Der Issues Monitor und die einzelnen Issues Maps ermöglichen Entscheidern aus Politik und Wirtschaft einen Überblick über aktuelle und zukünftige Herausforderungen in den Bereichen Technologie, Geopolitik, Marktbedingungen und Volkswirtschaft – auf globaler, regionaler und nationaler Ebene.

Der komplette World Energy Issues Monitors ist hier abrufbar.
Die internationale Pressemitteilung zu dem aktuellen World Energy Issues Monitor 2016 finden Sie hier.

30/11/2015: Effektiver Klimaschutz muss über den Energiesektor hinausgehen

  • Deutschlands Energiepolitik ist zugleich gutes und schlechtes Beispiel für die Welt
  • Klimapolitischer Rahmen notwendig, damit neuste technologische Lösungen Anwendung finden

Der Energiesektor ist bereit, seinen Beitrag zu leisten und mit seinen Innovationen Vorbild für andere Branchen zu sein“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland. Trotzdem sollte der Energiesektor nicht allein betrachtet werden. „Auch andere Bereiche der Gesellschaft wie z.B. die Landwirtschaft, der Gebäudesektor oder die Verkehrswirtschaft müssen Teil der Lösung sein. Die Weltbevölkerung sowie der Wohlstand werden wachsen und damit auch die Emissionen.“ Der Energiesektor ist mit 35% der größte einzelne Verursacher von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Zugleich ist der Energiehunger der Welt nicht gestillt: Um mindestens ein Drittel wird der Energieverbrauch bis 2050 steigen, so die Szenarien des World Energy Council.

Der Weltenergierat – Deutschland spricht sich gemeinsam mit seinem globalen Verband World Energy Council für ein klares und langfristiges internationales Klimaschutzabkommen im Vorfeld der Verhandlungen in Paris aus. Um Klimaschutz marktkonform und technologieneutral voranzutreiben, muss CO2 weltweit einen Preis bekommen. Das wäre ein besonders effizienter Weg, Investitionen für Klimaschutz anzureizen.

Deutschland wirkt auf verschiedenen Ebenen der Energiebranche als Vorreiter und Beispiel für andere Länder. Zahlreiche Länder haben Teile der deutschen Energiepolitik übernommen und auch von der Technologiefö-derung profitiert. Für den Präsidenten des Weltenergierates in Berlin ist jedoch klar, dass die deutsche Ener-giewende keine Blaupause für die Welt darstellen kann: „Energiepolitik – egal wo auf der Welt – muss beweisen, dass sie das Trilemma der sicheren, sauberen und bezahlbaren Energieversorgung ausbalanciert. Die deutsche Energiewende hat den Anteil der Erneuerbaren in Deutschland zwar erhöht, doch die Kosten des Systemumbaus sind sehr hoch und die positiven Effekte für den Klimaschutz national und international umstritten.“

Die Erforschung und Anwendung neuster Technologien wird entscheidend sein für den Klimaschutz – von der Energieerzeugung bis zum Verbrauch. Hierfür muss die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Der World Energy Council ist die geeignete Plattform, um den Austausch zwischen Entscheidern aus Forschung, Wirtschaft und Politik weltweit zu fördern. „Als Weltenergierat – Deutschland engagieren wir uns mit unseren Experten aus Deutschland seit über 90 Jahren für den internationalen Wissenstransfer“, so Dr. Franke weiter. Bereits auf bilateraler und regionaler Ebene könnten sich zahlreiche Synergien ergeben, wenn wir enger zusammenarbeiteten.

Wie der Energiesektor weltweit zum Klimaschutz beitragen kann, können Sie im Bericht „Klimawandel: Was er für die Energie-wirtschaft bedeutet“ nachlesen.

23/06/2015: Neue Finanzierungsmodelle für die Energiewende notwendig

  • Weltenergierat veröffentlicht „Energie für Deutschland 2015“ mit dem Schwerpunkt auf „Energiewende als Kapitalwende“
  • Etablierte Energieversorger werden notwendige Investitionen in Energieinfrastruktur nicht mehr allein finanzieren können
  • Investitionen von mindestens 280 Mrd. Euro müssen in Kooperation mit neuen Kapitalgebern erfolgen
  • Neue Rolle vom Energieversorger hin zur Schnittstelle zwischen Projektierer und Kapitalgeber

In der neuen Auflage seiner Publikation „Energie für Deutschland“ veröffentlicht der Weltenergierat – Deutschland eine Analyse der Roland Berger Strategy Consultants zum Thema, wer zukünftig die notwendigen Investitionen von mindestens 280 Mrd. Euro bis 2030 in die Energiewende finanzieren wird. „Viele traditionelle Energieversorger, die früher Investitionen im Stromsektor im Wesentlichen über ihr Eigenkapital finanzieren konnten, stehen heute mit dem Rücken zur Wand: Zahlreiche fossile Kraftwerke sind nicht mehr rentabel seit der Energiewende“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland. Diese Herausforderung treffe sowohl privatwirtschaftliche als auch kommunale Versorger. Es müssten somit neue Investoren gefunden werden, um die Energiewende und zugleich die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Untersuchung „Die Energiewende als Kapitalwende – Herausforderungen der Finanzierung aus Sicht der Marktakteure“ kommt zu dem Ergebnis, dass neben den klassischen Kreditinstituten und privaten Kapitalgebern zukünftig auch institutionelle Anleger, strategische Investoren sowie Private Equity Investoren in den deutschen Energiesektor investieren werden. Jede Investorengruppe sucht jedoch unterschiedliche Risiko-Rendite Muster in verschiedenen Bereichen. So sind beispielsweise Offshore Windparks, die große Investitionssummen benötigen, gerade zu Projektbeginn von besonderem Interesse für risikofreudige Private Equity Investoren; sobald der Windpark angeschlossen ist und stabil betrieben werden kann, würden institutionelle Anleger und Fonds darin investieren können.

Hiermit könnte sich ein neues Geschäftsmodell für die traditionellen Energieversorger ergeben – als Schnittstelle zwischen Projektierer und Kapitalgeber. „Doch dieser Übergang geschieht nicht von selbst. Energieversorger müssen sich umstellen“, so Franke weiter. Zugleich würden einige Investorengruppen gern heute bereits Kapital für Energieinfrastruktur zur Verfügung stellen, scheuen jedoch das Risiko. „Finanzierungsmodelle müssen flexibler und transparenter werden. Ebenso brauchen wir langfristige und stabile politische Rahmenbedingungen, sonst werden Investoren sich anderweitig umschauen. Wer soll dann in die Energiewende finanzieren?“

Hier finden Sie die „Energie für Deutschland 2015“

 

20/1/15: Energiepreisschwankungen und Klimapolitik bereiten den Energieentscheidern weltweit schlaflose Nächte

  •  Schwankende Energiepreise und Klimapolitik beschäftigen die global vom Weltenergierat befragten Energieentscheider am meisten
  • In Deutschland beschäftigen Russland und die Energiepolitik die Führungskräfte
    am meisten

Der Weltenergierat hat mit seiner siebenten Ausgabe des „World Energy Issues Monitor“ die Sorgen und Gedanken zu wichtigen Themen von über 1000 Energieentscheidern eingefangen, darunter Minister und Vorstände aus über 80 Ländern.

Die Unsicherheit bezüglich der volatilen Energiepreise hatte sich bereits in der letztjährigen Ausgabe des Berichts abgezeichnet und hat sich in diesem Jahr als Topthema der Energieentscheider weltweit festgesetzt. Aktuell findet sie ihren Niederschlag im scharfen Absturz des Ölpreises auf ein Fünfjahrestief. Auch die günstiger werdenden Gestehungskosten der erneuerbaren Energien führen zu Veränderungen im Energiemix und stellen die Stromnetze durch ihre fluktuierende Einspeisung vor neue Herausforderungen. „Die schwankenden Energiepreise sind zum neuen Normalzustand geworden. Dies und die gestiegenen Anforderungen aus der Energiewende werden zu neuen Geschäftsmodellen führen.“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat Deutschland.

Ein internationales Klimaschutzabkommen steht an zweiter Stelle der weltweiten Top-Themen. Der Klimaschutz gewinnt in diesem Jahr besonders an Bedeutung, da im Herbst 2015 die Klimakonferenz in Paris stattfindet (COP 21), und sich dann entscheiden wird, wie die großen Emittenten USA und China langfristig zu ihren gemachten Zusagen stehen, und welche Signalwirkung das für andere Länder hat.

In Deutschland wie auch in Europa lag die größte Unsicherheit in der geopolitischen Einschätzung von Russland. Dies liegt an dem seit fast einem Jahr andauernden militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der nach Westeuropa ausstrahlt. In Kombination mit der hohen Abhängigkeit von russischen Erdgasimporten und den traditionell engen wirtschaftlichen Banden zwischen Russland und Europa führt dies zu großer Unsicherheit.

Weitere kritische Themen waren in Deutschland die Energiepreise, Stromspeicher, erneuerbare Energien und Energiepolitik. Besonders der letzte Punkt ist für die Energieentscheider wichtig, da eine stabile und verlässliche Energiepolitik Voraussetzung für die langfristigen Investitionen in Infrastruktur und Erzeugung ist und damit die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet.

Hier finden Sie den Link zur Umfrage.

12/12/14: Global Electricity Initiative Report: Weltenergierat fordert angemessenen CO2-Preis

  • World Energy Council veröffentlicht „Global Electricity Initiative Report“ am Rande der COP
  • Stromwirtschaft braucht jetzt politische Signale, sonst bleiben Klimaschutzpotenziale ungenutzt
  • Forschung in CCS, Speicher und Smart Grids wesentlich für eine globale Energiewende
  • Regionale Integration im Trend: Europa kann ein wichtiges Beispiel für andere Regionen sein

Anlässlich der Klimakonferenz in Lima veröffentlicht der World Energy Council einen Bericht der „Global Electricity Initiative“, eines internationalen Netzwerks von Stromversorgungsunternehmen, das über 80 Prozent der weltweiten Stromerzeugungskapazitäten repräsentiert. Darin werden unter anderem die Ergebnisse einer CEO-Befragung dargestellt:

  • Für die Stromversorger ist Klimawandel bereits Realität. Für alle ist die Anpassung an den Klimawandel genauso wichtig wie Klimaschutzmaßnahmen.
  • Erneuerbare Energien haben die größten Zuwachsraten in der Stromversorgung. Trotzdem bleiben fossile Energieträger bis mindestens 2035 dominierend.
  • Als weitere Technologien zum Klimaschutz werden Carbon Capture and Storage (CCS), Stromspeicher sowie Smart Grids genannt.
  • Diese und andere Klimaschutzmaßnahmen erfordern klare und langfristige politische Rahmenbedingungen, allen voran einen angemessenen CO2-Preis.
  • Regionale Integration sehen die Befragten als wichtigen Trend. Die internationale Kooperation im Stromsystem über Ländergrenzen hinweg nutze der Integration erneuerbarer Energien und stärke die Versorgungssicherheit.

„Ohne nachhaltige politische Signale bleiben riesige Klimaschutzpotenziale in der Stromwirtschaft ungenutzt, sei es bei Investitionen in die Infrastruktur oder bei Forschung und Entwicklung von Klimaschutztechnologien“, kommentiert der Präsident des Weltenergierat – Deutschland, Dr. Uwe Franke, den Bericht. Auch uns Deutschen müsse klar sein: Wir allein werden das Klima nicht retten, auch nicht bei 80 Prozent Erneuerbaren im Strommix 2050. „Vielmehr müssen wir uns für einen angemessenen CO2-Preis auf internationaler Ebene einsetzen. Zu diesem Ziel steht die Stromwirtschaft, egal ob in Deutschland, Europa oder in der Welt“, so Franke.

Dass die regionale Integration als wichtiger Trend identifiziert wurde, freut den Präsidenten des Weltenergierat – Deutschland. Denn: „In Fragen der regionalen Integration kann Europa ein Beispiel für andere Teile der Welt darstellen. Noch ist der vollständig umgesetzte europäische Binnenmarkt für Strom keine Realität. Doch bereits heute wird deutlich, wie viele Synergien und Potenziale sich mit jedem Schritt in diese Richtung erzielen lassen.“ Gerade erst im Herbst hat ein Bericht der niederländischen und deutschen Sektion des Weltenergierates gezeigt, dass sich durch eine engere Koordination im Energiesektor beider Länder Einsparungen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften ließen.

Hier können Sie den „Global Electricity Initiative Report“ herunterladen.

 

 

 

24/11/14: Investitionsklima für Energiesektor weltweit überraschend positiv; in Europa deutlich negativer

  •  Weltenergierat befragt Experten aus 36 Ländern zum Investitionsklima für Energieinfrastruktur
  • Die meisten Investitionen fließen in den Stromsektor (Stromerzeugung und Übertragungsnetze), gefolgt von Investitionen in Energieeffizienz
  • Schwierige regulatorische Rahmenbedingungen werden von 90% der Befragten als Investitionsbarriere angesehen

„Angesichts der weltweit steigenden Energienachfrage ist es beruhigend zu wissen, dass das Investitionsklima für Energieinfrastruktur so positiv ist, vor allem im Stromsektor. Nun müssen die Regierungen auch die entsprechenden Weichen stellen, damit wirklich investiert wird“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zum Investitionsklima für Energieinfrastruktur. Grundlage der Ergebnisse sind Antworten von Experten aus 36 Länderkomitees des Weltenergierats, darunter 21 aus Europa.

Die wesentlichen Ergebnisse sind:

    • Das Investitionsklima für Energieinfrastruktur wird weitgehend positiv gesehen, allerdings mit Ausdifferenzierungen zwischen den verschiedenen Energieträgern: für Strom bewerten 43% der Experten das Investitionsklima positiv, für Gas immerhin 49%, für Öl und Wärme deutlich schlechter. Energieeffizienz wird von 86% mit Abstand am positivsten bewertet.
    • 60% bewerten die nationale Regulierung als wichtigsten Faktor für das Investitionsklima, noch vor dem allgemeinen Wirtschaftsklima.
    • Zwei Drittel der Befragten sehen Investitionen in die Energieinfrastruktur als eine wesentliche Notwendigkeit in den nächsten Jahren. In den Stromsektor fließen dabei nach Einschätzung der Experten die meisten Investitionen, d.h., in die Stromerzeugung (ohne Differenzierung zwischen konventioneller und erneuerbarer Erzeugung) und in Übertragungsnetze, an immerhin zweiter Stelle kommt Energieeffizienz.
    • Als wichtigster Investor wird mit 60% der Privatsektor benannt, noch vor nationalen Regierungen.
    • Im Falle eines negativen oder neutralen Investitionsklima bezeichnen fast 90% ein schwieriges regulatorisches Umfeld als Investitionsbarriere.

Interessante Hinweise auch für die deutsche Diskussion rund um die Energiewende ergeben sich aus dem Vergleich zwischen den globalen und den europäischen Ergebnissen: das europäische Investitionsklima ist deutlich negativer – für Strom sehen nur 24% und für Gas nur 33% der Experten ein positives Investitionsklima. Fast 50% der Befragten sehen darüber hinaus keine Verbesserung des Investitionsklimas im Vergleich zum letzten Jahr, dabei wird eine nahezu gleich hohe Notwendigkeit zu weiteren Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur attestiert wie in der weltweiten Befragung.

Dr. Franke fordert die deutsche und europäische Politik angesichts dieser Ergebnisse zum Handeln auf: „Die Ergebnisse der Umfrage für Europa zeigen, dass wir offensichtlich derzeit nicht die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen haben. Hier muss die Politik dringend gegensteuern, damit die notwendigen Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur nicht weiter verschleppt werden. Die Anreize müssen richtig gesetzt werden, denn ohne moderne und ausreichende Energieinfrastruktur hat Europa einen globalen Wettbewerbsnachteil“.

Hier finden Sie die detaillierten Ergebnisse der Umfrage.