20/1/15: Energiepreisschwankungen und Klimapolitik bereiten den Energieentscheidern weltweit schlaflose Nächte

  •  Schwankende Energiepreise und Klimapolitik beschäftigen die global vom Weltenergierat befragten Energieentscheider am meisten
  • In Deutschland beschäftigen Russland und die Energiepolitik die Führungskräfte
    am meisten

Der Weltenergierat hat mit seiner siebenten Ausgabe des „World Energy Issues Monitor“ die Sorgen und Gedanken zu wichtigen Themen von über 1000 Energieentscheidern eingefangen, darunter Minister und Vorstände aus über 80 Ländern.

Die Unsicherheit bezüglich der volatilen Energiepreise hatte sich bereits in der letztjährigen Ausgabe des Berichts abgezeichnet und hat sich in diesem Jahr als Topthema der Energieentscheider weltweit festgesetzt. Aktuell findet sie ihren Niederschlag im scharfen Absturz des Ölpreises auf ein Fünfjahrestief. Auch die günstiger werdenden Gestehungskosten der erneuerbaren Energien führen zu Veränderungen im Energiemix und stellen die Stromnetze durch ihre fluktuierende Einspeisung vor neue Herausforderungen. „Die schwankenden Energiepreise sind zum neuen Normalzustand geworden. Dies und die gestiegenen Anforderungen aus der Energiewende werden zu neuen Geschäftsmodellen führen.“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat Deutschland.

Ein internationales Klimaschutzabkommen steht an zweiter Stelle der weltweiten Top-Themen. Der Klimaschutz gewinnt in diesem Jahr besonders an Bedeutung, da im Herbst 2015 die Klimakonferenz in Paris stattfindet (COP 21), und sich dann entscheiden wird, wie die großen Emittenten USA und China langfristig zu ihren gemachten Zusagen stehen, und welche Signalwirkung das für andere Länder hat.

In Deutschland wie auch in Europa lag die größte Unsicherheit in der geopolitischen Einschätzung von Russland. Dies liegt an dem seit fast einem Jahr andauernden militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der nach Westeuropa ausstrahlt. In Kombination mit der hohen Abhängigkeit von russischen Erdgasimporten und den traditionell engen wirtschaftlichen Banden zwischen Russland und Europa führt dies zu großer Unsicherheit.

Weitere kritische Themen waren in Deutschland die Energiepreise, Stromspeicher, erneuerbare Energien und Energiepolitik. Besonders der letzte Punkt ist für die Energieentscheider wichtig, da eine stabile und verlässliche Energiepolitik Voraussetzung für die langfristigen Investitionen in Infrastruktur und Erzeugung ist und damit die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet.

Hier finden Sie den Link zur Umfrage.

12/12/14: Global Electricity Initiative Report: Weltenergierat fordert angemessenen CO2-Preis

  • World Energy Council veröffentlicht „Global Electricity Initiative Report“ am Rande der COP
  • Stromwirtschaft braucht jetzt politische Signale, sonst bleiben Klimaschutzpotenziale ungenutzt
  • Forschung in CCS, Speicher und Smart Grids wesentlich für eine globale Energiewende
  • Regionale Integration im Trend: Europa kann ein wichtiges Beispiel für andere Regionen sein

Anlässlich der Klimakonferenz in Lima veröffentlicht der World Energy Council einen Bericht der „Global Electricity Initiative“, eines internationalen Netzwerks von Stromversorgungsunternehmen, das über 80 Prozent der weltweiten Stromerzeugungskapazitäten repräsentiert. Darin werden unter anderem die Ergebnisse einer CEO-Befragung dargestellt:

  • Für die Stromversorger ist Klimawandel bereits Realität. Für alle ist die Anpassung an den Klimawandel genauso wichtig wie Klimaschutzmaßnahmen.
  • Erneuerbare Energien haben die größten Zuwachsraten in der Stromversorgung. Trotzdem bleiben fossile Energieträger bis mindestens 2035 dominierend.
  • Als weitere Technologien zum Klimaschutz werden Carbon Capture and Storage (CCS), Stromspeicher sowie Smart Grids genannt.
  • Diese und andere Klimaschutzmaßnahmen erfordern klare und langfristige politische Rahmenbedingungen, allen voran einen angemessenen CO2-Preis.
  • Regionale Integration sehen die Befragten als wichtigen Trend. Die internationale Kooperation im Stromsystem über Ländergrenzen hinweg nutze der Integration erneuerbarer Energien und stärke die Versorgungssicherheit.

„Ohne nachhaltige politische Signale bleiben riesige Klimaschutzpotenziale in der Stromwirtschaft ungenutzt, sei es bei Investitionen in die Infrastruktur oder bei Forschung und Entwicklung von Klimaschutztechnologien“, kommentiert der Präsident des Weltenergierat – Deutschland, Dr. Uwe Franke, den Bericht. Auch uns Deutschen müsse klar sein: Wir allein werden das Klima nicht retten, auch nicht bei 80 Prozent Erneuerbaren im Strommix 2050. „Vielmehr müssen wir uns für einen angemessenen CO2-Preis auf internationaler Ebene einsetzen. Zu diesem Ziel steht die Stromwirtschaft, egal ob in Deutschland, Europa oder in der Welt“, so Franke.

Dass die regionale Integration als wichtiger Trend identifiziert wurde, freut den Präsidenten des Weltenergierat – Deutschland. Denn: „In Fragen der regionalen Integration kann Europa ein Beispiel für andere Teile der Welt darstellen. Noch ist der vollständig umgesetzte europäische Binnenmarkt für Strom keine Realität. Doch bereits heute wird deutlich, wie viele Synergien und Potenziale sich mit jedem Schritt in diese Richtung erzielen lassen.“ Gerade erst im Herbst hat ein Bericht der niederländischen und deutschen Sektion des Weltenergierates gezeigt, dass sich durch eine engere Koordination im Energiesektor beider Länder Einsparungen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften ließen.

Hier können Sie den „Global Electricity Initiative Report“ herunterladen.

 

 

 

24/11/14: Investitionsklima für Energiesektor weltweit überraschend positiv; in Europa deutlich negativer

  •  Weltenergierat befragt Experten aus 36 Ländern zum Investitionsklima für Energieinfrastruktur
  • Die meisten Investitionen fließen in den Stromsektor (Stromerzeugung und Übertragungsnetze), gefolgt von Investitionen in Energieeffizienz
  • Schwierige regulatorische Rahmenbedingungen werden von 90% der Befragten als Investitionsbarriere angesehen

„Angesichts der weltweit steigenden Energienachfrage ist es beruhigend zu wissen, dass das Investitionsklima für Energieinfrastruktur so positiv ist, vor allem im Stromsektor. Nun müssen die Regierungen auch die entsprechenden Weichen stellen, damit wirklich investiert wird“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zum Investitionsklima für Energieinfrastruktur. Grundlage der Ergebnisse sind Antworten von Experten aus 36 Länderkomitees des Weltenergierats, darunter 21 aus Europa.

Die wesentlichen Ergebnisse sind:

    • Das Investitionsklima für Energieinfrastruktur wird weitgehend positiv gesehen, allerdings mit Ausdifferenzierungen zwischen den verschiedenen Energieträgern: für Strom bewerten 43% der Experten das Investitionsklima positiv, für Gas immerhin 49%, für Öl und Wärme deutlich schlechter. Energieeffizienz wird von 86% mit Abstand am positivsten bewertet.
    • 60% bewerten die nationale Regulierung als wichtigsten Faktor für das Investitionsklima, noch vor dem allgemeinen Wirtschaftsklima.
    • Zwei Drittel der Befragten sehen Investitionen in die Energieinfrastruktur als eine wesentliche Notwendigkeit in den nächsten Jahren. In den Stromsektor fließen dabei nach Einschätzung der Experten die meisten Investitionen, d.h., in die Stromerzeugung (ohne Differenzierung zwischen konventioneller und erneuerbarer Erzeugung) und in Übertragungsnetze, an immerhin zweiter Stelle kommt Energieeffizienz.
    • Als wichtigster Investor wird mit 60% der Privatsektor benannt, noch vor nationalen Regierungen.
    • Im Falle eines negativen oder neutralen Investitionsklima bezeichnen fast 90% ein schwieriges regulatorisches Umfeld als Investitionsbarriere.

Interessante Hinweise auch für die deutsche Diskussion rund um die Energiewende ergeben sich aus dem Vergleich zwischen den globalen und den europäischen Ergebnissen: das europäische Investitionsklima ist deutlich negativer – für Strom sehen nur 24% und für Gas nur 33% der Experten ein positives Investitionsklima. Fast 50% der Befragten sehen darüber hinaus keine Verbesserung des Investitionsklimas im Vergleich zum letzten Jahr, dabei wird eine nahezu gleich hohe Notwendigkeit zu weiteren Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur attestiert wie in der weltweiten Befragung.

Dr. Franke fordert die deutsche und europäische Politik angesichts dieser Ergebnisse zum Handeln auf: „Die Ergebnisse der Umfrage für Europa zeigen, dass wir offensichtlich derzeit nicht die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen haben. Hier muss die Politik dringend gegensteuern, damit die notwendigen Investitionen in die europäische Energieinfrastruktur nicht weiter verschleppt werden. Die Anreize müssen richtig gesetzt werden, denn ohne moderne und ausreichende Energieinfrastruktur hat Europa einen globalen Wettbewerbsnachteil“.

Hier finden Sie die detaillierten Ergebnisse der Umfrage.

 

 

 

19/9/14: Milliarden-Einsparungen möglich durch Koordinierung der Energiemärkte von Deutschland und den Niederlanden

  • Deutsch-Niederländische Studie identifiziert hohes volkswirtschaftliches Einsparpotenzial 
  • Kostenreduktion um mehrere Milliarden Euro pro Jahr möglich
  • Abgestimmter Ausbau von Stromnetzen und Erneuerbaren als Startpunkt

Durch eine bessere Ausrichtung der Energiepolitiken in den Niederlanden und in Deutschland, der Förder- und Besteuerungsmechanismen sowie durch eine höhere Markttransparenz lassen sich Einsparungen in beiden Ländern von mehreren Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften. Dies ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der niederländischen und deutschen Sektion des Weltenergierates, die auf  Erfahrungen und Festlegungen der deutschen Energiewende und des niederländischen Energieakkords aufbaut.

„Seit über einem Jahrzehnt sprechen wir von einem europäischen Binnenmarkt für Energie – die Realität sieht aber anders aus. Nach wie vor unternimmt jedes Land bei der Energiewende einen nationalen Alleingang. Dabei zeigt die Studie, welchen Nutzen es für beide Länder hätte, wenn sie sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigten und die Energiepolitik über die Grenzen hinweg koordinierten und harmonisierten.“, so Leonhard Birnbaum, Vizepräsident des Weltenergierates für die Region Europa. In Deutschland hat der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien zu enormen Kosten geführt, und die unstete Einspeisung von Windenergie und Fotovoltaik macht immer häufigere Eingriffe zur Netzstabilisierung erforderlich. Die Niederlande sind von der Erreichung des europäischen Ziels für den Ausbau Erneuerbarer Energien noch weiter entfernt. Zugleich sind auch dort konventionelle Kraftwerke aufgrund der deutschen Energiewende oft kaum noch profitabel. „Eine engere Zusammenarbeit bei der Erreichung energiepolitischer Ziele wie dem Erhalt der Versorgungssicherheit und dem Ausbau Erneuerbarer Energien bietet beiden Ländern klare Vorteile“, so Birnbaum weiter.

In der Studie wurden die Investitionsanreize und Besteuerung von erneuerbaren Energien, die Markttransparenz und Marktregularien, die grenzüberschreitende Netzintegration, gemeinsame Projekte im Bereich der erneuerbaren Erzeugung und Kooperationen bei Forschungsprojekten betrachtet. In allen Bereichen wären entweder eine bessere Versorgung oder niedrigere Kosten möglich, wenn die beiden Länder ihre Energiemärkte besser koordinieren würden. Die direkten finanziellen Vorteile hieraus könnten sich allein aus dieser bilateralen Optimierung auf bis zu einigen Milliarden Euro pro Jahr belaufen. Indirekte Vorteile wie ein besseres Investitions- und Innovationsklima sind darin noch gar nicht enthalten.

Die Wirtschaftsminister beider Länder, Gabriel und Kamp, haben mit ihrem Treffen am 25. Juli 2014 signalisiert, dass sie die Notwendigkeit einer besseren Kooperation erkannt haben. Ein Beispiel hierfür ist aus Sicht des Weltenergierates eine engere Abstimmung beim Ausbau der grenzüberschreitenden Stromnetze, gerade bei der Anbindung der offshore-Windanlagen in der Nordsee. Ein anderes liegt in der gemeinsamen Entwicklung und Anrechnung von Erneuerbare Energien Projekten, wie sie zum Teil schon heute durch Europäisches Recht ermöglicht wird.

Link zur Studie: https://www.weltenergierat.de/publikationen/studie/

27/6/2014 Weltenergierat – Deutschland: Energiewenden sind ein globales Phänomen, aber nur in Deutschland ist Klimaschutz der Treiber


Weltenergierat – Deutschland: Energiewenden sind ein globales Phänomen, aber nur in Deutschland ist Klimaschutz der Treiber

  • Versorgungssicherheit und industriepolitische Motive im Mittelpunkt anderer Energiewenden
  • Deutschland findet keine Nachahmer, aber Profiteure

„Energiewenden gibt es in vielen Ländern der Welt, aber nur in Deutschland ist Klimaschutz die dominierende Motivation für den Systemwandel“, so Dr. Uwe Franke, Präsident des Weltenergierat – Deutschland, bei der Vorstellung der neuen Publikation „Energie für Deutschland 2014″ in Berlin. Im diesjährigen Schwerpunktbeitrag „Globale Energiewenden – Vergleichende Analyse ausgewählter Länder und Implikationen für die deutsche Energiedebatte“ wird die Transformation der Energiesysteme in China, Saudi Arabien, Südafrika, Brasilien und den USA untersucht. Das Fazit: Alle diese Länder wappnen sich für die Zukunft und setzen dabei auf die Förderung von Erneuerbaren und Energieeffizienz. Im Vordergrund stehen dabei nicht klimapolitische Ziele, sondern die Sicherung der Versorgung mit Energie und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes. „Nur wenn Energie jederzeit und günstig verfügbar ist, können sich moderne Industriestaaten entwickeln und Arbeitsplätze geschaffen werden“, so Franke.

Trotz des weltweiten Ausbaus von Erneuerbaren, ist der Weg noch lang: Bislang machen Photovoltaik und Windkraft nur rund 3 % des Weltenergieverbrauchs aus. Über 80% wurden 2013 durch fossile Energieträger gedeckt. „Jedes Land muss seine eigenen Energieressourcen optimal und effizient nutzen. Nur so kann Klimaschutz realisiert werden. Das gilt im Übrigen auch für Erneuerbare: Sie können heute bereits wettbewerbsfähig sein, aber nur an geeigneten Standorten“, so Franke. Deutschland ist mit rund 36 GW installierter Leistung an Photovoltaik Anlagen weltweit das Land mit der größten Solarkraftkapazität. Das sind doppelt so viele Kapazitäten wie in China, das mit 18 GW den zweiten Platz besetzt. Im sonnenreichen Spanien sind knapp 5 GW installiert.

„Die Welt hat von dem deutschen EEG profitiert: Durch unsere Förderung konnten die Kosten für diese Technologien nach und nach gesenkt werden. So werden Erneuerbare auch in Ländern attraktiv, die sich diese Technologien zuvor nicht leisten konnten“, erklärt der Präsident. „Dies war ein wichtiger entwicklungspolitischer Beitrag Deutschlands für viele Länder.“ In Europa profitierten auch die Nachbarn von günstigen Börsenpreisen in Zeiten, in denen die Sonne scheint und der Wind weht. So hat Deutschland indirekt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Doch Deutschland kann auch nachträglich von den eigenen Erfahrungen aus der Transformation des Energiesystems profitieren: „Das Wissen um die Systemintegration fluktuierender Erneuerbarer sowie damit verbundene neue Geschäftsmodelle werden mit dem Fortschritt der globalen Energiewenden weltweit an Relevanz gewinnen.“

22/1/14 Weltenergierat zu EU Energie- und Klimapolitik: „Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik“

Weltenergierat zu EU Energie- und Klimapolitik: „Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik“

  • Neuer Präsident: „Es geht nicht darum, das eine Ziel gegen ein anderes auszuspielen“
  • Europäischer World Energy Council nur für ein CO2-Ziel auf EU Ebene
  • Nationale Energiepolitik muss europäischer werden

Anlässlich des heute von der EU Kommission vorgelegten Pakets zur Energie- und Klimapolitik, äußert sich der Weltenergierat – Deutschland positiv zu den Bestrebungen, die Wettbewerbsfähigkeit Europas in den Mittelpunkt zu rücken. „Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik“, so der neue Präsident der Weltenergierat – Deutschland, Dr. Uwe Franke. Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Energiepreisgefälles zwischen Europa und anderen Regionen der Welt sei es relevant, den Blick auf die Kosten sowie die Effizienz von Energiepolitik zu richten. „Es geht nicht darum, das eine Ziel gegen ein anderes auszuspielen. Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit bilden zusammen den Schlüssel für gesellschaftlichen Wohlstand in Europa,“ so der Präsident. Zugleich machte er deutlich, dass das energie-politische Zieldreieck in der Vergangenheit zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit aus dem Gleichgewicht geraten war.

Um das energiepolitische Gleichgewicht wieder herzustellen, könne „nur ein marktwirtschaftlicher Ansatz, der die effizientesten und günstigsten technischen Lösungen fördert, gewinnbringend sein.“ Die Vergangenheit habe gezeigt, dass verschiedene, gleichzeitige energiepolitische Zielvorgaben kontraproduktiv und kostspielig sein können. Die Europäische Gruppe des World Energy Council plädiert daher für die Festlegung von einem einzigen CO2-Reduktionsziel auf EU-Ebene. Ferner wurde ein reformiertes Emissionshandelssystem als wichtiges Instrument anerkannt, welches unter Einbehaltung von Marktmechanismen zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes führen könne.

An die Bundesregierung appellierte Franke, in allen energiepolitischen Entscheidungen auch die europäische Sicht miteinzubeziehen. „Deutsche Energiepolitik hat massiven Einfluss auf unsere Nachbarn. Wir sind eng verbunden innerhalb des gemeinsamen Binnenmarktes für Strom und Gas und sollten die Synergien einer europäischen Kooperation stärker nutzen, um so auf effizientem Wege unser Trilemma zu lösen.“ Anfang 2013 hatte eine Umfrage innerhalb des Netzwerkes des World Energy Council gezeigt, dass insbesondere Europäische Länder skeptisch auf die Energiewende in Deutschland blicken. „Global betrachtet, kann Europa im Energiebereich Akzente setzen. Technologisch, wirtschaftlich, klima- und geopolitisch. Deutschland allein kann es nicht.“

25/10/13 „Die globalen CO2-Emissionen können bereits ab 2020 sinken“ Weltenergierat stellt Szenarien zur Energiezukunft bis 2050 in Daegu, Südkorea vor.

 

Über 6 000 Teilnehmer aus Energiewirtschaft und Politik haben vier Tage in Daegu, Südkorea, über die Frage diskutiert und nach Lösungen gesucht, wie wir heute eine zuverlässige, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung der Welt in der Zukunft sicherstellen können.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand eine aufwändig erarbeitete Studie, um einen plausiblen, nachvollziehbaren Blick in die Zukunft zu werfen. Beim Szenario „Jazz“ liegt die Priorität auf einem Ansatz mit Zugang zu Energie für diejenigen, die bisher keinen Zugang hatten und deren Bezahlbarkeit mittels wirtschaftlichem Wachstum.

Beim Szenario „Symphony“ liegt der Schwerpunkt des Ansatzes beim Erreichen von Umwelt- und Klimazielen sowie Versorgungssicherheit durch international koordinierte Politiken und Instrumente.

In beiden Szenarien, so der stellvertretende Vorsitzende der beim Weltenergierat verantwortlichen Arbeitsgruppe, Dr. Hans-Wilhelm Schiffer, steigt der Primärenergieverbrauch bis 2050 weltweit, bei der um rund zwei Milliarden Menschen ansteigenden Weltbevölkerung. Im Szenario „Jazz“ um 61 %, bei Symphony um 27%.

Fossile Energien spielen – gemessen am Primärenergieverbrauch – auch 2050 noch mit 77 % (Jazz) bzw. 59 % (Symphony) gegenüber 80 % im Jahr 2010 eine leicht geringere, aber immer noch dominierende Rolle. Einen Zuwachs bei der Kernenergie werde es nur bei staatlicher Unterstützung geben. Beim Szenario “ Symphony“  wird der Anteil der erneuerbaren Energien an der globalen Stromerzeugung von 20 %  auf 48 % steigen. Bei „Jazz“ lediglich auf 31 %. „Ganz entscheidend für den Erfolg der Bemühungen, den CO2-Ausstoß zu verringern“, so Schiffer in seiner Analyse, „ist – neben dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Steigerung der Energieeffizienz – die Abscheidung und Speicherung von CO2. So sind hierdurch und unter Einbeziehung der Kernenergie bei „Symphony“ 80 % der Stromerzeugung CO2-frei – gegenüber 40 % im Szenario „Jazz“.

„Mit einer international abgestimmten Politik und Marktinstrumenten“, fasst Schiffer die Ergebnisse der beiden Szenarien zusammen, „lassen sich die Nachhaltigkeitsziele am besten erreichen. Die CO2-Emissionen könnten bereits ab 2020 sinken“. Dazu müsste es zum Einsatz kosteneffizienter Marktinstrumente, wie Emissionshandel, basierend auf weltweiten Vereinbarungen zur Begrenzung der Höhe der CO2-Emissionen bis 2050 kommen. Eine Reduzierung der Pro-Kopf-Emission bis 2050 auf 2t CO2 pro Jahr wäre damit im globalen Durchschnitt möglich, was weniger als der Hälfte der Pro-Kopf-Emissionen im Jahr 2010 entspräche.