20. März 2013 Weltenergierat: „Man muss sich eine Energiewende auch leisten können“

  • Weltenergierat-Deutschland befragt erneut Energieexperten aus 23 Ländern
  • Deutsche Energiewende weiterhin keine Blaupause für die Welt, aber wichtiger Ideengeber
  • Mehrheit in Europa befürchtet geringere Versorgungssicherheit und höhere Strompreise im eigenen Land durch die deutsche Energiewende
  • 60 Prozent wollen Teile des deutschen Energiekonzepts übernehmen

„Auch mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Energiekonzepts der Bundesregierung, stehen internationale Experten aus dem Energiebereich der deutschen Energiewende eher skeptisch gegenüber“, so Jürgen Stotz, Präsident des Weltenergierat – Deutschland zu den Ergebnissen einer Umfrage seiner Organisation. Wie bereits 2011 hatte diese weltweit vernetzte Organisation internationale Energieexperten aus über 20 Länderkomitees zum Gelingen der Energiewende, zu ihren Auswirkungen und ihrer Vorbildfunktion befragt.

„Die Welt schaut auch mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Energiekonzeptes sehr genau auf die deutsche Energiepolitik. Nur mit einer weiterhin sicheren und vor allem  wirtschaftlichen Energieversorgung können wir als Vorbild für die Welt dienen. Insbesondere die Ängste der europäischen Nachbarn gilt es dabei sehr ernst zu nehmen“, so Stotz weiter.

So glauben 80 Prozent der Befragten, dass die deutsche Energiewende zu einer Strompreissteigerung im eigenen Land führen. Die befragten europäischen Länder gehen sogar zu 90 Prozent von einer Preissteigerung im eigenen Land aus und befürchten zu fast 60 Prozent negative Auswirkungen auf die eigene Versorgungssicherheit. „Unter anderem deshalb“, erklärt Stotz, „bleiben wir bei der Forderung nach einer engeren europäischen Abstimmung der deutschen Energiepolitik.“

Die Übernahme einzelner Bestandteile des Energiekonzepts können sich immerhin rund 56 Prozent der an der Umfrage beteiligten Länder vorstellen, am ehesten die CO2-Ziele und den Schwenk zu mehr regenerativen Energien. Gegenüber 2011 ist allerdings der Anteil derjenigen um rund 20 Prozent auf insgesamt 44 Prozent gestiegen, die sich nicht vorstellen können, auch nur eines der deutschen Ziele zu übernehmen. „Kein Wunder“, so Stotz, „denn 76 Prozent der Befragten erklären, in Ihrem Land seien weder die technischen noch die wirtschaftlichen Voraussetzungen hierfür gegeben.“ In Europa sehen mehr als zwei Drittel der Befragten die notwendigen Voraussetzungen im eigenen Land als nicht gegeben an. Die aktuellen Zahlen zur Höhe der bisherigen und der zu erwartenden finanziellen Förderung regenerativer Energien hätten sicher einen zentralen Beitrag zu dieser Einschätzung geleistet.

„Ganz offensichtlich“, so der Präsident des Weltenergierat – Deutschland, „muss man sich eine solche Energiewende auch leisten können.“ Umso wichtiger sei es, bei allen Veränderungen im Energiebereich auch den Erhalt der deutschen Wirtschaftskraft im Auge zu behalten. Hier seien die ausländischen Experten durchaus skeptisch. Eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent befürchtet eine kurz- und mittelfristige Schwächung der deutschen Wirtschaftskraft aufgrund der aktuellen Energiepolitik. In der langfristigen Perspektive sind dies immer noch 52 Prozent. Lediglich ein gutes Drittel geht langfristig von einer Stärkung durch die Energiewende aus.

In diesem Zusammenhang halten auch rund zwei Drittel der Befragten die Entlastung der deutschen energieintensiven und exportorientierten Industrie für richtig und würden dieses Vorgehen auch im eigenen Land bei steigenden Strompreisen befürworten.

Aufgrund der Ergebnisse dieser Umfrage bleibt nach Einschätzung von Stotz für die Bundesregierung noch viel zu tun. Solle die Energiewende ein Exportschlager werden und damit zu wichtigen Veränderungen weltweit führen, „müssen wir nicht nur erfolgreich sein, sondern auch noch sehr viel Überzeugungsarbeit in den anderen Ländern leisten. Wir müssen die möglichen Auswirkungen auf unsere Nachbarn deshalb genau im Blick behalten und uns europäisch abstimmen.“ Immerhin seien es 76 Prozent der Befragten, die in der deutschen Energiepolitik keine Blaupause für ihr eigenes Land sehen.

10. Januar 2013 Leonhard Birnbaum neuer Europavorsitzender des Weltenergierats „Zukunft der Energieversorgung europäisch denken und gestalten“

 

Dr. Leonhard Birnbaum, Mitglied des Vorstands der RWE AG, ist von der Mitgliederversammlung des World Energy Council (WEC) zum Vorsitzenden der Region Europa (Vice-Chair Europe) gewählt worden. Er hat in dieser Funktion die Nachfolge von Dr. Johannes Teyssen, E.ON, angetreten, der den Vorsitz der europäischen Sektion des WEC nach Ablauf der maximal möglichen zwei Amtszeiten abgegeben hat. Leonhard Birnbaum verstärkt damit sein Engagement, das er im Weltenergierat – Deutschland als Stellvertreter des Präsidenten dieses nationalen WEC-Komitees bereits seit einigen Jahren ausübt.

„Wir müssen die Zukunft der Energieversorgung europäisch denken und gestalten“, so Birnbaum. „In meiner neuen Funktion habe ich die Möglichkeit, das zu tun und die wichtigen Energiethemen mit Repräsentanten unserer Nachbarstaaten im europäischen Kontext zu diskutieren.“ „Europa ist die Zukunft“, betont Birnbaum weiter, „wir können die Energieversorgung nur dann effizient umbauen und modernisieren, wenn Marktmechanismen und europäische Lösungen absoluten Vorrang haben.“Der World Energy Council greift in seinen Studien und auf seinen Konferenzen globale Energiethemen auf und bindet dabei die Besonderheiten der verschiedenen in der Organisation verankerten Weltregionen mit ein. Ein aktuelles Beispiel ist das Flaggschiff-Projekt „Global Energy Scenarios“. Im Rahmen dieser Studie, deren Präsentation bei der nächsten Weltenergiekonferenz im Oktober 2013 in Daegu (Südkorea) geplant ist, werden die Perspektiven der Weltenergieversorgung bis 2050 aufgezeigt. Dabei werden die Besonderheiten der verschiedenen Kontinente und damit auch Europas berücksichtigt.