Energy Pulse Survey

Globale Umfragen zu aktuellen Energietendenzen

Globale Erderwärmung, COVID-19-Pandemie und der Russland-Ukraine-Krieg. Die internationale Energiewelt wurde in jüngerer Vergangenheit von mehreren globalen Krisen erschüttert. Der World Energy Council führte im April 2022 innerhalb des Netzwerks deshalb eine Umfrage durch, um einerseits ein gemeinsames Verständnis für den aktuellen Zustand des weltweiten Energiesystems zu erhalten und andererseits Ansätze für eine schnelle, umweltverträgliche und gerechte globale Energiewende zu entwickeln. Fast 700 Entscheidungsträger:innen und Energieexpert:innen aus 87 Ländern antworteten.

Die Umfrageergebnisse ergaben, dass sowohl die Energieversorgungskrise in Europa als auch die globale Klimakrise weltweit im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Die Bedeutung der COVID-19-Pandemie hat in vielen Teilen der Welt abgenommen. Lediglich in Afrika und Asien wird sie noch als ein Hauptproblem angesehen. Über 80 % der weltweit Befragten meldeten direkte und / oder indirekte Auswirkungen der europäischen Energiesicherheitskrise auf die Energieversorgung ihrer Länder. Der gleiche Anteil erwartet, dass sich die Störungen langfristig oder dauerhaft auf die Energiemärkte auswirken werden.

86 % der Antwortenden waren sich nahezu einig, dass die Regierungen eingreifen müssen, um auf Preisschocks und die Auswirkungen der Krisen auf die Verbraucher zu reagieren. Investitionen in die Diversifizierung des Energiemixes sowie die Steigerung der Energieeffizienz wurden als besonders wichtig angesehen, um die Energieversorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit von Energie zu verbessern. In Europa und Asien waren zudem die Wiederbelebung der Kohle- und Kernkrafterzeugung ein wichtiges Thema. Hinsichtlich der Frage, ob wir künftig mehr oder weniger internationale Kooperation sehen werden, gehen weniger als ein Viertel der Befragten von einer fortgesetzten Globalisierung aus. Die meisten erwarten hingegen eine bipolare bzw. stärker fragmentierte Welt sowie eine Rückbesinnung auf lokale oder regionale Maßnahmen zur Bewältigung der Krisen.

Im Juli 2022 befragte der World Energy Council erneut sein internationales Netzwerk zu den Auswirkungen der verschiedenen globalen Krisen auf das Tempo der Energiewende. Die neue Ausgabe des World Energy Pulse Survey fasst die Antworten von fast 600 Führungskräften der globalen Energiegemeinschaft zusammen. Sie zeigt, wie sich die Wahrnehmung unter den Energieexpert:innen weltweit seit der letzten Umfrage im April diesen Jahres verändert hat.

Ausgewählte Ergebnisse auf einen Blick: 

– 44 % der Befragten gaben an, dass ihr Optimismus hinsichtlich des Tempos der Energiewende abnimmt.

– 43 % der befragten Expert:innen sehen vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen eine stärkere Fragmentierung der globalen Ansätze zur Energiewende.

– Insgesamt deuten die Umfrageergebnisse auf eine Rückkehr zu einem stärker ausgeglichenen Energiedreieck (Trilemma) aus Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit hin, wobei die Bedeutung der einzelnen Dimensionen sich je nach Region jedoch unterscheidet.

– In Europa ist ein Policy-Wechsel erkennbar, in dessen Zuge der Aspekt der Energieversorgungssicherheit gegenüber den anderen beiden Dimensionen in den letzten Monaten in den Fokus gerückt ist. In den meisten anderen Weltregionen wird der Klimawandel als drängendste Herausforderung wahrgenommen.