Status der Endlagersuche im internationalen Kontext

Status der Endlagersuche im internationalen Kontext

In Deutschland startete das Auswahlverfahren für einen Standort zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle im Jahr 2017 mit dem Standortauswahlgesetz. Bis zum Jahr 2031 soll laut Standortauswahlgesetz innerhalb Deutschlands ein Endlagerort hierfür gefunden werden. Die Gebiete werden anhand von Erkundungen und Berechnungen auf ihre Eignung untersucht. Das Endlager für hochradioaktive Abfälle wird frühestens im Jahr 2051 betriebsbereit sein.

Phasen der Endlagersuche für hochradioaktive Abfälle in Deutschland

In der ersten Phase werden Teilgebiete ermittelt. Vorhabenträger für die Umsetzung des Standortauswahlgesetzes ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). In der Zweiten Phase erkundet die per Gesetz ausgewählten Standortregionen übertägig. Darüber hinaus errichtet die BGE in der dritten Phase an mindestens zwei Standorten Erkundungsbergwerke und erarbeitet im Anschluss umfassende Sicherheitsuntersuchungen, die vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bewertet werden. Das BASE leitet eine Umweltverträglichkeitsprüfung ein und schlägt nach einem abschließenden Standortvergleich einen bestmöglichen Endlagerstandort vor. Über diesen finalen Standort entscheiden Bundestag und Bundesrat per Gesetz.

Bis in Deutschland ein betriebsbereites genehmigtes Endlager zur Verfügung steht, werden die hochradioaktiven Abfälle zwischengelagert. Seit einigen Jahren werden die abgebrannten Brennelemente, die während der Restlaufzeiten der Kernkraftwerke anfallen, unmittelbar an den Standorten der Kernkraftwerke in sogenannten dezentralen Zwischenlagern in speziellen Transport- und Lagerbehältern aufbewahrt.

Finanzierung der Endlagersuche In Deutschland gilt für die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle das Verursacherprinzip. Die Betreiber der Kernkraftwerke haben hierfür rund 24 Mrd. € bereitgestellt, die an einen öffentlich-rechtlichen Fonds geflossen sind. So stellen BASE und BGE auch die Kosten für die Öffentlichkeitsbeteiligung, die über- und untertägige Erkundung von Standorten sowie die damit zusammenhängende Forschung und Entwicklung dem Fonds in Rechnung.

International werden unterschiedliche Gesteine für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen als Wirtsgesteine berücksichtigt. In Deutschland gab es bislang eine Präferenz  für  Salzgestein.  Das  Standortauswahlgesetz  fordert  nun aber eine Betrachtung der drei Gesteinsarten Steinsalz,  Tongestein  und  Kristallingestein.  Jedes  dieser  Gesteine besitzt Vor- und Nachteile als Endlagermedium.

Belgien

Im Juni 2006 beschloss die Regierung, dass schwach und mittelradioaktive Abfälle in ein oberirdisches Endlager in Dessel entsorgt werden sollen. Die Forschung zur geologischen Tiefenlagerung von hochradioaktiven Abfällen läuft derzeit und konzentriert sich auf plastischen unverfestigten Ton in der Region Mol. Im Jahr 1980 wurde mit dem Bau des unterirdischen Forschungslabors Hades (High Activity Deposition Experimental Site) in 225 m Tiefe begonnen.

China

Im Mai 2019 wurde der Standort für das unterirdische Forschungslabor in Beishan in 560 Metern Tiefe bekannt gegeben. Die auf über 20 Jahre angesetzten Bauarbeiten sollen bald beginnen. Das Endlager soll ab 2040 errichtet werden. Mit der Aufnahme hochaktiver Abfälle in ein nationales Endlager wird ab 2050 gerechnet.

Finnland

Auf der Halbinsel Olkiluoto errichtet die Firma Posiva OY das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Abfälle in Granitgestein. Seit 2004 wird in Olkiluoto an dem Endlager für hochradioaktive Abfälle gearbeitet. Im November 2015 gab die finnische Regierung dem Betreiber Posiva die Genehmigung zur Errichtung des Endlagers in 400 bis 450 m Tiefe für 6.500 Tonnen nukleare Abfälle. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, die Betriebsgenehmigung zu beantragen und nach deren Erteilung zeitnah mit der Einlagerung zu beginnen.

Frankreich

Frankreich hat im Jahr 2016 die gesetzlichen Grundlagen für die Errichtung des Projekts Cigéo beschlossen, ein geologisches Tieflager mit Rückholbarkeit. Zuständig ist die Agentur für die Entsorgung radioaktiver Abfälle. Geforscht wird hauptsächlich im unterirdischen Felslabor, das in Tongestein liegt. Die radioaktiven Abfälle sollen bei Cigéo in einem Bergwerk 500 m unter der Erde lagern.

Großbritannien

In 2019 leitete die Regierung das formelle Auswahlverfahren für einen Standort ein. Derzeit ist das Verfahren noch offen und keine Entscheidung für ein Wirtsgestein oder einen Standort gefällt. Für die Identifizierung und Untersuchung von Standorten werden 15 bis 20 Jahre veranschlagt.

Japan

Im Juli 2017 wurde in Japan eine wissenschaftliche Merkmalskarte veröffentlicht, die Regionen identifiziert, die aufgrund ihrer Nähe zu Vulkanen oder aktiven Verwerfungen nicht für ein Endlager geeignet sind. Damit verbleiben etwa zwei Drittel des Landes als potenziell geeignet. Mit einer Standortauswahl wird ab etwa 2025 gerechnet, mit dem Betrieb des Endlagers ab etwa 2035.

Kanada

Anfang 2007 gab die Nuclear Waste Management Organization (NWMO) an, dass ein Endlager für hochradioaktive Abfälle wahrscheinlich in Ontario, Quebec, New Brunswick oder Saskatchewan liegen würde. Die Organisation entwarf einen Standortprozess und begann Ende 2012 mit der Bewertung potenzieller Kandidaten. Der Zeitrahmen wird von den potenziellen Gastgebergemeinden bestimmt, aber die NWMO geht davon aus, dass das Endlager bis 2035 in Betrieb genommen wird.

Russland

Für hochaktive Abfälle steht noch kein Endlager zur Verfügung. Eine Entscheidung über den Bau des Endlagers ist bis 2025 fällig, und die Anlage selbst soll bis 2035 fertig gestellt werden. Die Anlage soll für die Aufnahme von 20.000 Tonnen mittel- und hochradioaktiver Abfälle ausgelegt werden, die rückholbar sein sollen.

Schweden

Im Juni 2009 wurde entschieden, das Endlager in Söderviken bei Forsmark zu errichten. Das Endlager wird über 12.000 Tonnen Kapazität in 500 Metern Tiefe in 1,9 Mrd. Jahre altem Granit verfügen. Das Genehmigungsverfahren läuft seit 2011 mit einer positiven Empfehlung der Atomaufsichtsbehörde.

Schweiz

Seit 1984 betreibt die nationale Genossenschaft für die Entsorgung radioaktiver Abfälle (NAGRA) in Grimsel ein unterirdisches Forschungslabor im Kristallingestein für die Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen. Im Jahr 1994 wurde entschieden, in erster Priorität den Opalinuston als Wirtgestein und das Zürcher Weinland als potenzielles Standortgebiet vertieft zu untersuchen. Seit Beginn des Suchverfahrens im Jahr 2015 sind noch drei Standortregionen mit Opalinuston in der Nordostschweiz in der engeren Wahl. Das Endlager soll in einer Tiefe von 400 bis maximal 900 Metern liegen. Die endgültige Entscheidung der Regierung wird bis 2031 erwartet, mit der Möglichkeit eines Referendums. Die NAGRA geht davon aus, dass bis 2060 ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb genommen wird.

USA

Yucca Mountain war als voraussichtlicher Standort eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle 2002 beschlossen worden. Da die Erdbebenrisiken der Region neu bewertet worden waren, hatte der Präsident Obama das Projekt gestoppt. In der Zwischenzeit haben die meisten Kernkraftwerke in den Vereinigten Staaten auf die unbefristete Lagerung von Abfällen in Stahl- und Betonbehältern vor Ort zurückgegriffen. Zudem ist die in den USA zu entsorgende Müllmenge bereits jetzt größer als die bisher vorgesehene Kapazität für Yucca Mountain.

Die Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) ist das einzige geologische Tiefenlager für langlebigen radioaktiven Abfall in den USA. Im Jahr 1998 zertifizierte die US-Umweltschutzbehörde WIPP für die sichere, langfristige Entsorgung von TRU-Abfällen. Die Einlagerungsbereiche von WIPP befinden sich ca. 650 m unter der Erdoberfläche.

Tschechien

Nach den Plänen der Regierung soll bis zum Jahr 2065 ein geologisches Tiefenlager für hochaktive Abfälle in Betrieb sein. Die Auswahl eines Standortes und eines Reservestandorts wird bis 2025 erwartet, wobei der Bau nach 2050 beginnen soll. Im Oktober 2014 erteilte das Umweltministerium die Genehmigung für erste geologische Untersuchungen an sieben Standorten im Kristallingestein. Im Jahr 2018 erfolgte daraus die Auswahl von vier Standorten nach den Kriterien: Sicherheit, technische Machbarkeit, öffentliche Akzeptanz.

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