08/10/2021 Wasserstoffimporte in die Europäische Union könnten bis 2050 etwa die Hälfte des Bedarfs decken

Neue Studie des Weltenergierat zu Wasserstoffimporten in die Europäische Union veröffentlicht

• Wasserstoffproduktion in der Europäischen Union nicht ausreichend zur Deckung der Nachfrage
• Wasserstoffimporte aus Nachbarländern als Alternative
• Weltenergierat fordert klare rechtliche und politische Rahmenbedingungen für Zertifizierung, Infrastruktur und Nutzung

„Viele europäische Staaten haben die Nutzung von erneuerbarem und CO2-armem Wasserstoff (H2) als zentrales Mittel zur Erreichung ihrer Klimaziele identifiziert. Bis 2050 könnte der Gesamtbedarf an Wasserstoff und wasserstoffbasierten Brennstoffen in der Europäischen Union (EU) von aktuell ca. 10 Millionen Tonnen deshalb auf bis zu 60 Millionen Tonnen bzw. 2.000 Terawattstunden steigen.“ Dies erklärt Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland, anlässlich der Vorstellung der neuen europäischen Studie des Weltenergierat Decarbonised Hydrogen Imports into the European Union: challenges and opportunities. Die Studie beleuchtet Szenarien für die Produktion und den Verbrauch von dekarbonisiertem Wasserstoff und seinen Derivaten innerhalb der EU sowie für H2-Importe in die Union.

„Nicht jedes EU-Land wird seine Nachfrage nach klimaneutralem Wasserstoff durch die eigenen Erzeugungskapazitäten decken können, etwa aufgrund begrenzter Erneuerbaren-Potenziale“, fährt Carsten Rolle fort. Die Studie schätzt, dass der Anteil der Produktion am Verbrauch von Wasserstoff und H2-basierten Brennstoffen im Jahr 2050 bei etwa 50 % liegen wird. „Das bedeutet, dass die EU bis zur Jahrhundertmitte rund 30 Millionen Tonnen dekarbonisierten Wasserstoff und entsprechende Derivate pro Jahr importieren muss“, erläutert Carsten Rolle weiter. „Die Etablierung von strategischen Beziehungen zu potenziellen Exporteuren in den Nachbarregionen der EU, wie Russland und den Ländern des südlichen und östlichen Mittelmeerraums, wird deshalb zentral für die Erhöhung des H2-Anteils im europäischen Energiemix sein.“

Die Studie gibt Kosteneinschätzungen für den Transport von Wasserstoff für mehrere europäische Länder und leitet Implikationen für den europäischen Stromsektor, die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff und das Erreichen der Klimaneutralität in 2050 ab. Wasserstoff und seine Derivate lassen sich allgemein über internationale Pipelines oder Schiffe aus den Exportstaaten in die EU transportieren. Das rechtzeitige Errichten von Pipelines, Speicheranlagen und Terminals für den Seehandel wird von wesentlicher Bedeutung sein, um Wasserstoff aus den Produktionsgebieten in die Verbrauchszentren zu bringen. Internationale H2-Pipelines werden die EU voraussichtlich mit Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten (über Griechenland), Russland, der Ukraine, Norwegen und dem Vereinigten Königreich verbinden.

„Die Wirtschaftlichkeit und die Finanzierung der Infrastruktur werden mit Blick auf H2-Importe eine Schlüsselrolle spielen“, ist Carsten Rolle überzeugt. „Für das Einführen von dekarbonisiertem Wasserstoff in die EU sind umfangreiche Investitionen in die Produktions- und Transportinfrastruktur erforderlich.“ Die Studie schätzt den Gesamtinvestitionsbedarf der Partnerländer für den H2-Export in die EU bis 2050 auf rund 760 Milliarden Euro – unter anderem für den Aufbau von H2-Produktionsanlagen, Wind- und PV-Anlagen, Pipelines, Hafenterminals und den Bau von Transportschiffen. Dieser hohe Betrag wird voraussichtlich internationale Partnerschaften zwischen Import- und Exportstaaten erfordern, um die Investitionskosten und -risiken zu teilen.

„Um sicherzustellen, dass die notwendigen Investitionen rechtzeitig getätigt werden, bedarf es klarer rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen“, schlussfolgert Carsten Rolle. „Dazu gehören die Festlegung internationaler Qualitäts-, Technik- und Sicherheitsstandards für Wasserstoff und seine Derivate, die Etablierung eines Zertifizierungssystems für erneuerbaren und CO2-armen Wasserstoff sowie ein solider Rechtsrahmen, der den Aufbau der H2-Infrastruktur in der EU ermöglicht und koordiniert.“

Die Studie ist hier abrufbar.