Aktuelles
Stand: 02. März 2026
Geopolitische Risiken im Nahen Osten: Auswirkungen auf Öl- und Gasmarktentwicklugen
Dr. Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland e.V.: „Die Irankrise ist keine zweite Ukrainekrise für Europa.“
Die Straße von Hormus ist eine strategisch und geopolitisch zentrale Passage: Rund 20 % des weltweit gehandelten LNG und etwa 20 % des global verschifften Rohöls passieren diese Meerenge.
Deutschland ist von direkten Lieferunterbrechungen aus dem Golfstaatenraum nur in begrenztem Umfang betroffen. Allerdings können geopolitische Spannungen in der Region zu deutlichen Preisreaktionen auf den globalen Energiemärkten führen – mit spürbaren Auswirkungen auf Gas- und Ölpreise in Europa.
Öl – Globale Lieferengpässe können Preise kurzfristig treiben
Straße von Hormus & globale Mengen:
• 20–21 Mio. Barrel/Tag (~20 % des globalen Ölverbrauchs)
• Exportländer: Saudi-Arabien, Irak, VAE, Kuwait, Katar, Iran (IEA, 2026)
Ölpreis – Auswirkungen auf Deutschland:
• Deutschland ist bei Öl breit diversifiziert: Hauptlieferanten sind Norwegen, Kasachstan, USA
• Brent-Preis wirkt indirekt auf Treibstoff- und Energiepreise in Deutschland
• Analyst:innen erwarten kurzfristig 80–90 USD/Barre;l bei einer Verschärfung der Krise könnten die Preise über dieses Niveau hinaus steigen
• Risikoprämie bei Unterbrechungen der Hormus-Passage: 15–18 USD/Barrel über normalem Niveau
Abbildung 1: Herkunft des Rohöls und Inlandsverbrauch Mineralölprodukte 2024 in Mio. t
Quelle: Eigene Darstellung, Energie für Deutschland 2025
Szenarien bei Eskalation:
• Anhaltende Störungen: >100 USD/Barrel
• Extremfall (längere Blockade oder beschädigte Infrastruktur): 120–150 USD/Barrel
• Moderate Szenarien / Deeskalation: Rückkehr auf 70–75 USD/Barrel
Gas – Stabilität durch Diversifizierung, aber Preiswirkung über globalen Markt
Importstruktur Deutschland 2024
95 % des deutschen Erdgasbedarfs werden importiert.
Hauptlieferanten:
– Norwegen: 48 %
– Niederlande: knapp 5 %
– LNG über deutsche FSRUs (schwimmende LNG-Terminals): 69 Mrd. kWh (8 % der Gesamtimporte), davon 92 % aus den USA
– LNG über niederländische und belgische Terminals: rund 39 %, Herkunft teilweise nicht eindeutig zuordenbar
Abbildung 2: Erdgasabkommen und -absatz in Deutschland 2024
Quelle: Eigene Darstellung, Energie für Deutschland 2025
Abbildung 3: EU-Gasimporte (Anteil an Pipeline-Importen und Anteil an LNG)
Quelle: EU-Kommission basierend auf ENTSO-G und LSEG (Refinitiv), 2026
Abbildung 4: Anteil der Exporteure an EU LNG-Importen
Quelle: EU-Kommission basierend auf ENTSO-G und LSEG (Refinitiv), 2026
Globale LNG-Ströme & Bedeutung Hormus
• Etwa 20 % des weltweit gehandelten LNG passieren die Straße von Hormus (IEA, 2026)
• Katar exportiert 77–80 Mio. Tonnen LNG pro Jahr, Hauptabnehmer sind asiatische Länder (Japan, Südkorea, China, Indien)
• Deutschland ist von katarischem LNG kaum direkt abhängig; Preisentwicklungen auf dem globalen LNG-Markt wirken sich jedoch indirekt auf europäische Preise aus
TTF-Preis – Referenz für europäisches Gas
• Historisch verursachten geopolitische Spannungen kurzfristige Preisschwankungen von ±18 %
• Modelle prognostizieren bei längerer Einschränkung der Hormus-Passage TTF-Preise über 90 €/MWh (ICIS, 2026)
• Wettbewerb: Europa konkurriert mit Asien um LNG-Mengen; Engpässe in Asien erhöhen europäischen Preisdruck
• Kapazität: Europa plant 2026 rund 185 Mrd. m³ LNG-Importe, Versorgung ist stabil, aber Konkurrenz mit Asien kann die Preise steigen lassen
Preisszenarien bei geopolitischem Risiko:
• Moderater Anstieg bei Unsicherheit: deutlicher Anstieg über kurzfristige Niveaus
• Anhaltende Einschränkung / Blockade: Preisrisiken deutlich nach oben (z. B. >90 €/MWh)
• Nachlassende Unsicherheit / Deeskalation: Rückkehr zu früheren Preisniveaus möglich
Fazit für Deutschland
• Gas: Direkte Lieferungen aus dem Golfraum begrenzt; globale LNG-Preise bestimmen Marktpreise in Europa
• Öl: Deutschland ist diversifiziert; Brent-Preise beeinflussen Energie- und Treibstoffkosten
• Globale Verknüpfungen: Asiatische Nachfrage und geopolitische Störungen können Europa indirekt treffen
Quellen:
• Gas Market Report, Q3-2025, Internationale Energieagentur (IEA)
• Oil Market Report – February 2026, Internationale Energieagentur (IEA)
• Potential Strait of Hormuz closure could push Europe’s TTF gas benchmark above €90.00/MWh – ICIS analysts, Independent Commodity Intelligence Services (ICIS)
• Energie für Deutschland 2025, Weltenergierat – Deutschland
• EU-Kommission basierend auf ENTSO-G und LSEG (Refinitiv), 2026