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Angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten und ihrer Auswirkungen auf die globalen Energiesysteme und industriellen Lieferketten laden wir herzlich zu einem gemeinsamen Webinar des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Weltenergierats ein. Konkrete Themen werden u. a. sein:

– Geopolitische Entwicklungen und Auswirkungen auf die globale Energiesicherheit
– Erwartete kurz- und mittelfristige Auswirkungen auf die Öl-, Gas- und LNG-Märkte
– Störungen im Frachtverkehr, in der Logistik und in internationalen Lieferketten
– Strategische Überlegungen für Akteure aus Industrie und Politik

Webinar: Hormuz at a Standstill: Global Energy & Logistics Implications

Webinar am 9. März 2026 | 9:30-10:45 Uhr MEZ

Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus sind von unmittelbarer Bedeutung für die globalen Öl- und Gasmärkte, die Seehandelswege, den Luftverkehr und die industriellen Wertschöpfungsketten weltweit. In dieser Informationsveranstaltung werden Expert:innen eine aktuelle Einschätzung der Lage geben und diskutieren, was diese Entwicklungen für Unternehmen, politische Entscheidungstragende und die gesamte Energie- und Verkehrsbranche bedeuten.

Sprecher:innen sind:

  • Frank Ewald, Senior Vice President and Head of Corporate Security & Crisis Management, DHL Group
  • Alexander Geisler, Managing Director, German Shipbrokers’ Association
    Mannat Jaspal, Director and Fellow for Climate and Energy, Observer Research Foundation Middle East
  • Tatiana Mitrova, Research Fellow, Center on Global Energy Policy
  • Gregor Pett, COO Global Analytics & Digital and Chief Analyst, Uniper SE

Das Webinar findet auf Englisch statt. Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich. Sie können den entsprechenden Kalendereintrag hier herunterladen oder direkt über den Button am Webinar teilnehmen.

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Übersicht zu den geopolitischen Risiken im Nahen Osten und den daraus resultierenden Auswirkungen auf Öl- und Gasmarktentwicklungen:

Stand: 02. März 2026

Geopolitische Risiken im Nahen Osten: Auswirkungen auf Öl- und Gasmarktentwicklungen

Dr. Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland e.V.: „Die Irankrise ist keine zweite Ukrainekrise für Europa.“

Die Straße von Hormus ist eine strategisch und geopolitisch zentrale Passage: Rund 20 % des weltweit gehandelten LNG und etwa 20 % des global verschifften Rohöls passieren diese Meerenge.
Deutschland ist von direkten Lieferunterbrechungen aus dem Golfstaatenraum nur in begrenztem Umfang betroffen. Allerdings können geopolitische Spannungen in der Region zu deutlichen Preisreaktionen auf den globalen Energiemärkten führen – mit spürbaren Auswirkungen auf Gas- und Ölpreise in Europa.

Öl – Globale Lieferengpässe können Preise kurzfristig treiben

Straße von Hormus & globale Mengen:

• 20–21 Mio. Barrel/Tag (~20 % des globalen Ölverbrauchs)
• Exportländer: Saudi-Arabien, Irak, VAE, Kuwait, Katar, Iran (IEA, 2026)

Ölpreis – Auswirkungen auf Deutschland:

• Deutschland ist bei Öl breit diversifiziert: Hauptlieferanten sind Norwegen, Kasachstan, USA
• Brent-Preis wirkt indirekt auf Treibstoff- und Energiepreise in Deutschland
• Analyst:innen erwarten kurzfristig 80–90 USD/Barre;l bei einer Verschärfung der Krise könnten die Preise über dieses Niveau hinaus steigen
• Risikoprämie bei Unterbrechungen der Hormus-Passage: 15–18 USD/Barrel über normalem Niveau

Abbildung 1: Herkunft des Rohöls und Inlandsverbrauch Mineralölprodukte 2024 in Mio. t

Quelle: Eigene Darstellung, Energie für Deutschland 2025

Szenarien bei Eskalation:

• Anhaltende Störungen: >100 USD/Barrel
• Extremfall (längere Blockade oder beschädigte Infrastruktur): 120–150 USD/Barrel
• Moderate Szenarien / Deeskalation: Rückkehr auf 70–75 USD/Barrel

Gas – Stabilität durch Diversifizierung, aber Preiswirkung über globalen Markt

Importstruktur Deutschland 2024

95 % des deutschen Erdgasbedarfs werden importiert.
Hauptlieferanten:
– Norwegen: 48 %
– Niederlande: knapp 5 %
– LNG über deutsche FSRUs (schwimmende LNG-Terminals): 69 Mrd. kWh (8 % der Gesamtimporte), davon 92 % aus den USA
– LNG über niederländische und belgische Terminals: rund 39 %, Herkunft teilweise nicht eindeutig zuordenbar

Abbildung 2: Erdgasabkommen und -absatz in Deutschland 2024

Quelle: Eigene Darstellung, Energie für Deutschland 2025

Abbildung 3: EU-Gasimporte (Anteil an Pipeline-Importen und Anteil an LNG) von 2021 bis 2. Quartal 2025

Quelle: EU-Kommission basierend auf ENTSO-G und LSEG (Refinitiv), 2026

Im zweiten Quartal 2025 lag der LNG-Anteil an den gesamten Gasimporten der Europäische Union bei 46 % und damit auf dem Niveau des Vorquartals, jedoch zehn Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Der Anstieg ist vor allem auf den Wegfall russischer Pipelinegaslieferungen über die Ukraine und deren Ersatz durch LNG zurückzuführen.

Bei den Gesamtgasimporten (Pipeline und LNG) blieb Norwegen mit 30 % wichtigster Lieferant, gefolgt von den USA mit 27 % (deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr). Der Marktanteil Russlands sank weiter auf 12 %.

Abbildung 4: Anteil der Exporteure an EU LNG-Importen 2025

Quelle: EU-Kommission basierend auf ENTSO-G und LSEG (Refinitiv), 2026

Globale LNG-Ströme & Bedeutung Hormus

• Etwa 20 % des weltweit gehandelten LNG passieren die Straße von Hormus (IEA, 2026)
• Katar exportiert 77–80 Mio. Tonnen LNG pro Jahr, Hauptabnehmer sind asiatische Länder (Japan, Südkorea, China, Indien)
• Deutschland ist von katarischem LNG kaum direkt abhängig; Preisentwicklungen auf dem globalen LNG-Markt wirken sich jedoch indirekt auf europäische Preise aus

TTF-Preis – Referenz für europäisches Gas

• Historisch verursachten geopolitische Spannungen kurzfristige Preisschwankungen von ±18 %
• Modelle prognostizieren bei längerer Einschränkung der Hormus-Passage TTF-Preise über 90 €/MWh (ICIS, 2026)
• Wettbewerb: Europa konkurriert mit Asien um LNG-Mengen; Engpässe in Asien erhöhen europäischen Preisdruck
• Kapazität: Europa plant 2026 rund 185 Mrd. m³ LNG-Importe, Versorgung ist stabil, aber Konkurrenz mit Asien kann die Preise steigen lassen

Preisszenarien bei geopolitischem Risiko:

• Moderater Anstieg bei Unsicherheit: deutlicher Anstieg über kurzfristige Niveaus
• Anhaltende Einschränkung / Blockade: Preisrisiken deutlich nach oben (z. B. >90 €/MWh)
• Nachlassende Unsicherheit / Deeskalation: Rückkehr zu früheren Preisniveaus möglich

Fazit für Deutschland

• Gas: Direkte Lieferungen aus dem Golfraum begrenzt; globale LNG-Preise bestimmen Marktpreise in Europa
• Öl: Deutschland ist diversifiziert; Brent-Preise beeinflussen Energie- und Treibstoffkosten
• Globale Verknüpfungen: Asiatische Nachfrage und geopolitische Störungen können Europa indirekt treffen


Quellen:
Gas Market Report, Q3-2025, Internationale Energieagentur (IEA)
Oil Market Report – February 2026, Internationale Energieagentur (IEA)
Potential Strait of Hormuz closure could push Europe’s TTF gas benchmark above €90.00/MWh – ICIS analysts, Independent Commodity Intelligence Services (ICIS)
Energie für Deutschland 2025, Weltenergierat – Deutschland
EU-Kommission basierend auf ENTSO-G und LSEG (Refinitiv), 2026