World Energy Issues Monitor

Der Issues Monitor präsentiert die Ergebnisse einer jährlichen Umfrage innerhalb des globalen Expertennetzwerkes des World Energy Council. Die zentrale Frage lautet, „Was hält die Entscheider:innen der Energiebranche nachts wach?“

Jedes Jahr befragt der World Energy Council im World Energy Issues Monitor sein globales Netzwerk nach den aktuellen Trends im Energiesektor auf globaler, regionaler und nationaler Ebene. Die Umfrage bündelt verschiedene Perspektiven von Entscheidungsträger:innen und Multiplikator:innen, um Unsicherheiten und thematische Prioritäten im Energiemarkt regionenübergreifend zu analysieren, zu vergleichen und Dynamiken aufzuzeigen.


World Energy Issues Monitor 2026

Der World Energy Issues Monitor wurde im Frühjahr 2026 zum 16. Mal in Form eines ausführlichen Berichts veröffentlicht. Untenstehend finden Sie die globalen Ergebnisse sowie die Ergebnisse für Deutschland und Europa.

Der World Issues Monitor 2026 brachte 2.750 Energieexpert:innen aus über 110 Ländern zusammen, um sie in globalen, regionalen und nationalen Issues Maps darzustellen. Jede dieser Issues Maps stellt eine Momentaufnahme der kritischen Unsicherheiten und Handlungsprioritäten dar, und wie politische Entscheider:innen, CEOs und führende Energieexpert:innen diese gewichten. Die kritischsten Unsicherheiten finden sich als orange Blasen oben rechts im Schaubild. Die wichtigsten Handlungsprioritäten stehen als blaue Blasen unten rechts. Für Anfang 2026 ergibt sich dabei global folgendes Bild:

Geopolitik entwickelt sich zunehmend zum prägenden Risikofaktor für Energiesysteme weltweit. „Frieden und Stabilität“ zählen zu den zentralen Unsicherheiten – bereits vor den jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten und in den Golfstaaten. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen beeinflussen Investitionsentscheidungen und führen zu einem dauerhaft erhöhten Belastungsniveau. Gleichzeitig bestimmen weniger politische Zielsetzungen als vielmehr reale Systemkapazitäten das Tempo der Transformation. Insbesondere Engpässe bei Netzinfrastruktur, Genehmigungsverfahren, Lieferketten und Fachkräften rücken in den Fokus.

Parallel dazu steigt die Stromnachfrage deutlich an, ohne sich auf einzelne Treiber wie Künstliche Intelligenz reduzieren zu lassen. Industrialisierung, Elektrifizierung, Mobilität, Digitalisierung und Urbanisierung wirken zusammen und verstärken den Bedarf. Zugleich zeigt sich die zunehmende Belastung der Systeme in Form von Netzengpässen, Abregelungen, negativen Strompreisen und begrenzten Interkonnektoren. Darüber hinaus gewinnt die Frage gesellschaftlicher Akzeptanz an Bedeutung: Steigende Kosten, Verteilungswirkungen und geopolitische Narrative beeinflussen zunehmend, unter welchen Bedingungen energiepolitische Maßnahmen und Infrastrukturprojekte umgesetzt werden können.

Eine ausführliche Auswertung der globalen Highlights ist hier zu finden.

Das deutsche Energiesystem bewegt sich in einem geopolitischen Umfeld, das die Grundlagen von Energiesicherheit neu definiert hat. „Frieden und Stabilität“ zählen zu den zentralen Unsicherheiten – nicht nur in Deutschland, sondern europa- und weltweit. Energiepolitik ist damit zunehmend untrennbar mit geopolitischen Entwicklungen verknüpft, insbesondere mit Blick auf Handelsbeziehungen, Abhängigkeiten und Einflussmöglichkeiten. Für Deutschland hat dies besonderes Gewicht: Die hohe Importabhängigkeit bleibt strukturell bestehen, und die damit verbundenen Kosten spiegeln sich unmittelbar in der volkswirtschaftlichen Belastung wider. Gleichzeitig hat sich die Bewertung von Bezahlbarkeit verschoben. Höhere Ausgaben für Diversifizierung, Infrastruktur, Speicher und Versorgungssicherheit werden zunehmend als notwendige Voraussetzung für ein resilienteres Energiesystem akzeptiert.

Zugleich zeigt sich ein klarer Wandel in den energiepolitischen Prioritäten. Der Fokus liegt weniger auf strategischer Zielsetzung als auf der Umsetzung konkreter Maßnahmen, insbesondere beim Ausbau von Netzen, Speichern und Flexibilitätsoptionen sowie bei Fragen der wirtschaftlichen Sicherheit. Die Herausforderung besteht darin, vorhandene Erzeugungskapazitäten – insbesondere aus erneuerbaren Energien – systemisch zu integrieren und zuverlässig nutzbar zu machen. In diesem Kontext gewinnt auch Wasserstoff als Bestandteil einer industriepolitischen Strategie an Bedeutung, insbesondere für schwer elektrifizierbare Sektoren. Insgesamt verdeutlicht der Monitor, dass die Energiewende in Deutschland zunehmend als Umsetzungs- und Resilienzaufgabe verstanden wird, bei der Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaziele gleichzeitig gewährleistet werden müssen.

Den Issues Monitor 2026 Germany Country Commentary finden Sie hier.